Mittwoch, 5. September 2001

Seine Analyse: "Das Publikum ist vergreist"

Kommt Peymann nach Wien zurück? Der Ex-"Burg"-Chef bestätigt jedenfalls sein Interesse: "Es gibt viele Anfragen aus Wien." Schon jetzt richtet er via NEWS aus: "Die Josefstadt muss von Grund auf verändert werden." Sehr charmant: "Das Publikum ist vergreist." Vielleicht wird Wiens Traditionsbühne unter seiner Patronanz zum Autorentheater.

In der morgen erscheinenden Ausgabe von NEWS nimmt der legendäre Ex-"Burg"-Chef und derzeitige Intendant des Berliner Ensembles: "Es ist schon erstaunlich, dass man mit einer Theaterarbeit solche Spuren in den Herzen sehr vieler Zuschauer hinterlassen kann. (...) Ich kann nicht verhehlen, dass die vielen Zurufe aus Wien bei mir nicht ohne Wirkung bleiben. Aber im Moment steht im Zentrum meiner Überlegungen das Berliner Ensemble und der erfolgreiche Beginn dieser Arbeit.

Peymann verweist auf eine Ausstiegsklausel in seinem Berliner Vertrag. Der, an sich noch drei Jahre laufend, kann schon in zwei Jahren - also zu Beginn der neuen "Josefstadt"-Ära - gelöst werden.

Peymann: Das Publikum ist vergreist"
Peymann analysiert die Josefstadt: "Das Publikum ist vergreist, ein über Jahre verschnarchtes Theater hat die Verbindung zum jungen Publikum völlig verloren. Alle einschlägigen Anstrengungen von Schenk oder Lohner waren sehr fragmentarisch und wurden schnell abgebrochen. (...) Wenn man sich dieses berühmte Reinhardt-Theater überhaupt leisten will und kann, müsste es ja ganz und gar neu gesehen werden. (...) Ich glaube ja nicht, dass das Haus verloren ist. Es hat nur keinen Zweck, einmal pro Spielzeit ein Licht anzuzünden und ansonsten den Schlendrian weiterzuführen. Die "Josefstadt" muss von Grund auf verändert werden. Sie ist ja auch noch ein völlig verschuldetes Haus. Was wurde da nicht von der intakten Theaterwelt geredet und gegen mein Burgtheater ausgespielt! Das musste allerdings nie entschuldet werden, während die "Josefstadt" ein heruntergewirtschaftetes Bankrottunternehmen ist. Und all das betrifft ein Haus, in dem immer nur kommerzielles Theater gespielt wurde!"

Die Vorgaben Raimund, Nestroy, Schnitzler und Horvath will Peymann im NEWS-Gespräch nicht a priori akzeptieren: "Ich lasse mich ungern auf die Klassiker-Litanei festlegen. Theater muss über Inhalte funktionieren, nicht über das Geographisch-Nationale. Ich glaube eher, dass das zeitgenössische österreichische Drama in Wien wieder eine Heimat braucht. Es spielt ja in der neuen Burgtheater-Direktion praktisch keine Rolle. Hier bietet sich ein enormes freies Feld an. Vielleicht ist ja die 'Josefstadt' das Theater, in dem Handke, Jelinek, Turrini und Ransmayr ihre Heimat finden sollten. Der ganze Raum verlangt nach Autorentheater."

Kunst-Staatssekretär Morak, ein dezidierter Gegner Peymanns, wollte die Causa auf NEWS-Anfrage nicht kommentieren.

Die ganze Story lesen sie im neuen NEWS.

5.9.2001 17:49

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