Kein Konkursantrag - Sanierung der Firma angepeilt

Der unter Milliardenschulden leidende Hausgerätehersteller Moulinex-Brandt soll mit einem Insolvenzverfahren vor dem Aus gerettet werden. Entgegen ursprünglichen Meldungen wurde heute nicht Konkurs angemeldet. Moulinex-Beschäftigte demonstrierten gegen Misswirtschaft.
Der Aufsichtsrat des französisch-italienischen Traditionsunternehmens billigte am Freitag in Paris einen entsprechenden Plan von Konzernchef Patrick Puy. Während einer sechsmonatigen Frist kann ein Insolvenzverwalter nun nach einem zahlungskräftigen Käufer suchen. Damit soll statt des drohenden Konkurses die Sanierung des Unternehmens noch gelingen.
Moulinex-Brandt habe sich für zahlungsunfähig erklärt und "in den Schutz der Justizverwaltung" begeben, sagte Puy nach der Aufsichtsratssitzung im Pariser Geschäftsviertel La Défense. Mit der Einleitung des Insolvenzverfahrens entfällt für das Unternehmen nach französischem Handelsrecht die Pflicht, die bisher aufgelaufenen Schulden zu begleichen, die sich Ende 2000 bereits auf 766 Mill. Euro (10,54 Mrd. S) belaufen hatten.
Der Pariser Staatssekretär für Industrie, Christian Pierret, zeigte sich zuversichtlich, dass "ein richtiges Industrieunternehmen" aus Europa oder den USA Interesse an Moulinex-Brandt anmelden werde. Der französische Staat sei bereit, eine "glaubwürdige Strategie" zur Wiederbelebung von Moulinex-Brandt zu unterstützen.
Moulinex-Brandt hat weltweit rund 22.000 Beschäftigte, davon mehr als 10.000 in Frankreich. Moulinex-Brandt ist in Österreich mit der Tochterfirma Elektra Bregenz (Schwaz) tätig, die österreichweit 120 Mitarbeiter beschäftigt, sowie 50 weitere Mitarbeiter für den Zentraleuropa-Vertrieb. Für eine Stellungnahme war am Freitag niemand zu erreichen.
Hauptaktionär von Moulinex-Brandt ist die italienische El.Fi-Gruppe, die 74,3 Prozent der Anteile hält. Die Pariser Tageszeitung "Le Monde" richtete schwere Vorwürfe an El.fi: Die Gruppe habe sich noch im vergangenen Dezember eine außerordentliche Dividende von 120 Mill. Euro gesichert. In ihrem jüngsten Rettungsplan habe sie aber nur eine Finanzspritze von 45 Mill. Euro und Immobilien im Wert von 22,8 Mill. Euro angeboten. El.Fi hatte Brandt 1992 übernommen und Moulinex im vergangenen Jahr zur Fusion gedrängt.
Bei Moulinex in Cormelles-le-Royal in der Normandie setzten in der Nacht zum Freitag wilde Streikaktionen ein. Mehrere Dutzend Mitarbeiter entfachten vor der Firmenzufahrt einen Brand. Das Werk wird schon seit elf Tagen bestreikt. "In den Geschäftszahlen der Moulinex-Brandt-Gruppe sind 1,4 Mrd. Franc ausgewiesen, für die die Unternehmensleitung niemals einen Verwendungszweck angegeben hat", sagte ein Gewerkschaftsvertreter.
Moulinex produziert seit den 30er Jahren kleine Haushaltsgeräte und erzielte bis in die 70er Jahre große Geschäftserfolge mit Püriermaschinen. Experten zufolge hatte das Unternehmen aber seine Produktpalette angesichts wachsender weltweiter Konkurrenz nicht rechtzeitig verbessert. Seit 1991 gehört auch die deutsche Krups GmbH in Solingen zu Moulinex. Die Produktion von Kaffeautomaten wurde in Solingen im März dieses Jahres eingestellt. Die verbliebenen knapp 200 Mitarbeiter sind vor allem mit Kundendienstaufgaben beschäftigt.

