Freitag, 7. September 2001

Zahlungskräftiger Käufer wird gesucht

Der unter Milliardenschulden leidende Hausgerätehersteller Moulinex-Brandt soll mit einem Insolvenzverfahren vor dem Aus ggerettet werden. Der Aufsichtsrat des französisch-italienischen Traditionsunternehmens billigte am Freitag in Paris einen entsprechenden Plan von Konzernchef Patrick Puy.

Während einer sechsmonatigen Frist kann ein Insolvenzverwalter nun nach einem zahlungskräftigen Käufer suchen. Damit soll statt des drohenden Konkurses die Sanierung des Unternehmens noch gelingen. Entgegen ursprünglichen Meldungen wurde am Freitag nicht Konkurs angemeldet. Moulinex-Beschäftigte demonstrierten gegen Misswirtschaft.

Moulinex-Brandt habe sich für zahlungsunfähig erklärt und "in den Schutz der Justizverwaltung" begeben, sagte Puy nach der Aufsichtsratssitzung im Pariser Geschäftsviertel La Défense. Mit der Einleitung des Insolvenzverfahrens entfällt für das Unternehmen nach französischem Handelsrecht die Pflicht, die bisher aufgelaufenen Schulden zu begleichen, die sich Ende 2000 bereits auf 766 Mill. Euro (10,54 Mrd. S) belaufen hatten.

Weltweit 22.000 Beschäftigte
Moulinex-Brandt hat weltweit rund 22.000 Beschäftigte, davon mehr als 10.000 in Frankreich. Moulinex-Brandt ist in Österreich mit der Tochterfirma Elektra Bregenz (Schwaz) tätig, die österreichweit 120 Mitarbeiter beschäftigt, sowie 50 weitere Mitarbeiter für den Zentraleuropa-Vertrieb. Für eine Stellungnahme war am Freitag niemand zu erreichen.

Traditionsunternehmen seit 1930
Moulinex produziert seit den 30er Jahren kleine Haushaltsgeräte und erzielte bis in die 70er Jahre große Geschäftserfolge mit Püriermaschinen. Experten zufolge hatte das Unternehmen aber seine Produktpalette angesichts wachsender weltweiter Konkurrenz nicht rechtzeitig verbessert. Seit 1991 gehört auch die deutsche Krups GmbH in Solingen zu Moulinex. Die Produktion von Kaffeautomaten wurde in Solingen im März dieses Jahres eingestellt. Die verbliebenen knapp 200 Mitarbeiter sind vor allem mit Kundendienstaufgaben beschäftigt.

7.9.2001 17:24