Saftige Strafen für Missbrauch von Informationen

Knalleffekt im Wiener Landesgericht: Erstmals in Österreich gab es eine Verurteilung wegen Insiderhandels mit Börse notierten Papieren. Vor Gericht stand ein Brüderpaar, das zu saftigen Geldstrafen verurteilt wurde.
Einzelrichter Gerhard Pohnert begründete die relativ hohen Geldstrafen - einer der beiden wurde zu 240.000 S (17.441 Euro), der andere zu 50.000 S Geldstrafe plus Gewinnabschöpfung von mehr als 48.000 S verdonnert - mit generalpräventiver Wirkung. Die Verteidigung erbat sich drei Tage Bedenkzeit. Staatsanwältin Gabriele Mucha gab keine Erklärung ab.
Gegenstand des Verfahrens war die außerordentliche Hauptversammlung der Leykam-Aktionäre vom 9. März 2000. Im Wiener Hotel Marriott erfuhren damals die Versammelten, dass anlässlich der Verschmelzung der Leykam-Mürztaler Papier und Zellstoff AG mit dem südafrikanischen Papier-Riesen Sappi das Abfindungsangebot an die verbliebenen Minderheitsaktionäre von 32 auf 35 Euro (482 S) je Aktie erhöht wird. Bei dieser Sitzung war ein 57-jähriger Kaufmann aus Graz anwesend, der seit Jahren Leykam-Anteile hatte und seinen Zwillingsbruder über das Angebot informiert haben soll.

