Freitag, 7. September 2001

Böhmdorfer: "Bankenvorschlag eine Provokation"

Die Verhandlungen zwischen Justizminister Dieter Böhmdorfer und den Banken um eine Schlichtungsstelle im Zusammenhang mit überhöhten Kreditzinsen sind Donnerstag Abend gescheitert. Milliardenbeträge sollen Banken ihren Kunden jahrelang vorenthalten haben.

Böhmdorfer zeigte sich "enttäuscht" über den Ombudsmann-Vorschlag der Banken. Diesen bezeichnete der Minister heute als "zahnlos" und als "Provokation". Der Vorschlag wäre praktisch nur auf unstrittige Fälle anwendbar und für Zinsrückforderungen gar nicht geeignet gewesen. Er wird jedenfalls keine Assistenz für Vergleiche leisten, in denen betroffene Kunden ihre Ansprüche gar nicht wirklich kennen würden.

Böhmdorfer will "Clearingstelle" einrichten
Er will nun innerhalb von zehn Tagen ein eigenes Konzept vorstellen. Es sieht eine vom Ministerium einzurichtende kostenpflichtige "Clearingstelle" vor, in der alle Kreditnehmer ihre Ansprüche ausrechnen lassen können.

Auf Basis dieser Berechnungen kann der Kreditkunde dann im Fall zu viel bezahlter Zinsen entscheiden, ob er klagt oder sich vergleicht. Diese "Errechnungsstelle" wird noch heuer voll anlaufen.

AK-Wien: Es wurden 100 Mio. Schilling zu viel gezahlt
Bei dem Streit geht es um den Vorwurf, Banken hätten jahrelang zu viel Kreditzinsen kassiert. Die AK-Wien hat bisher mehr als 2.500 Kredite nachgerechnet. Rechnet man alle eingelangten Fälle hoch, haben die Kreditnehmer in Wien fast 100 Mio Schilling zu viel an Zinsen gezahlt, so die AK Im Schnitt sei bei jedem Kredit rund 21.000 Schilling zu viel bezahlt worden.

Bundesweit gesehen, handelt es sich dabei um Milliardenbeträge, die den Konsumenten vorenthalten wurden und die nun zurückerstattet werden, so die AK-Konsumentenschützer.

7.9.2001 07:57