SPEZIAL: MÄCHTIGSTE FRAU IM US-BUSINESS

·Kampf um Nr. 1
Hewlett-Packard & Compaq gegen IBM
·Österreich
Die beiden "Riesen" liegen Kopf an Kopf
Die Elefantenhochzeit von Hewlett-Packard & Compaq lässt einen neuen Branchen-Giganten entstehen. Und an der Spitze wird eine Frau stehen: Carleton S. (Carly) Fiorina. Die elegante 46-Jährige mit einer Vorliebe für Designermode wird Herrin über 145.000 Beschäftigte in 160 Ländern. Und zur mächtigsten Frau in der US-Geschäftswelt. Umgang mit Macht ist ihr nicht neu. Ihr letzter Job: Chefin bei Hewlett-Packard
Eine Unbekannte war Carly Fiorina in der Welt der US-Großunternehmer auch bislang nicht. Bevor sie bei HP 1999 einstieg, war sie fast 20 Jahre lang bei AT&T und Lucent Technologies. Als Präsidentin von Lucent's Global Service Provider Business hat sie bereits ihr Geschick in der US-Geschäftswelt bewiesen. Mit ihrem Aufstieg zur designierten Chefin des aus der Fusion von HP und Compaq Computer Corp entstehenden neuen Branchengiganten wird die 46-jährige Managerin nun nicht nur zu einer der bekanntesten, sondern wohl auch zur mächtigsten Frau der amerikanischen Geschäftswelt.
Philosophin und Historikerin
Der steile Aufstieg der studierten Philosophin und Historikerin kommt für einige Analysten überraschend, hatte die Unternehmenschefin doch zuletzt schlechte Ergebniszahlen und die Streichung von 6.000 Arbeitsplätzen verkünden müssen. Als Fiorina den Leitungsposten bei HP antrat, versprach sie, das etwas schläfrig gewordene Traditionsunternehmen binnen drei Jahren "total umzukrempeln". Zwei der drei Jahre hat sie hinter sich. Einige Analysten äußerten in jüngster Zeit gar Zweifel daran, ob HP die Chefin angesichts ihrer Bilanz behalten werde. Immerhin verloren die HP-Aktien seit Jahresbeginn rund 27 Prozent und sanken auf den tiefsten Stand seit 1996.
Der Stellenabbau passte zudem nicht so recht zur berühmt gewordenen Tradition, mit Krisen auf "HP-Art" umzugehen. Diese auf Konsens gegründete Firmenphilosophie stammt noch aus der Zeit der inzwischen verstorbenen Unternehmensgründer William Hewlett und David Packard, die aus kleinen Anfängen in einer Garage den Computerriesen schmiedeten. Zumindest besann sich HP unter Fiorinas Führung aber symbolisch auf den Ursprung und kaufte die denkmalgeschützte 24-Quadratmeter-Garage samt dazu gehörigen Haus für eine Millionensumme zurück.
Sie rationalisierte die Produktionsabläufe
Die Empfehlung für höhere Aufgaben sehen einige Analysten vor allem in einer Reihe von Erfolgen, die die 46-Jährige bei der Umstrukturierung des Traditionsunternehmens vorweisen könne. Vor allem die Rationalisierung der Produktionsabläufe und die Wiederbelebung einer eigenen Firmenidentität werden als Verdienste genannt. Zudem stehe die vom Technologiekonzern Lucent zu HP gewechselte Managerin in Sachen Unterhaltungskunst und persönlicher Präsenz anderen Größen der US-Computerbranche wie Apple-Chef Steve Jobs in nichts nach.
Herrin über 145.000 Beschäftigte - Frauen-Förderung liegt ihr am Herzen
Fiorina wäre - falls die Stellenzahl gleich bleibt - künftig Chefin von mehr als 145.000 Beschäftigten in 160 Ländern. Besonders fördern wird sie Frauen. Gegenüber George W. Bush hat sie gesagt: "Der Großteil der Leute in der High-Tech-Branche muss von Frauen und Angehörigen aus Minderheitengruppen kommen."

