Dienstag, 4. September 2001

Kapitalerhöhung bei YLine über 1,8 Mill.Euro geplant

Das durch eine Zessionsvereinbarung mit IBM in Mitleidenschaft gezogene börsenotierte Wiener Softwarehaus YLine beabsichtigt eine Kapitalerhöhung um bis zu 1,8 Mill. Euro auf 5,8 Mill. Euro (79,8 Mill. S). Ein Abnehmer für 1,7 Mill. Stück neue Aktien ist angeblich bereits gefunden.

"Bedingt durch den Wegfall eines wesentlichen strategischen Partners sowie die allgemeine schwierige Marktlage befindet sich die Gesellschaft mit ihren verbundenen Unternehmen in einer Restrukturierungsphase, die einen außerplanmäßigen, unmittelbaren Liquiditätsbedarf ausgelöst hat. Durch die Zufuhr zusätzlichen Eigenkapitals kann die Konsolidierung der Gesellschaft und ihrer Tochtergesellschaften zu einem profitablen Application Service Provider gewährleistet werden". Die Absicht der Kapitalerhöhung wurde im Amtsblatt der Wiener Zeitung bekannt gegeben. Laut YLine-Sprecher Willi Berner ist die Kapitalerhöhung "bereits im Laufen". Details über den Investor wird am Donnerstag bei einer Pressekonferenz bekannt geben.

1,735.013 Stück Stückaktien zugelassen
Zur Übernahme von bis zu 1,735.013 Stück Stückaktien werden laut Inserat im Amtsblatt "ein oder mehrere institutionelle Investoren unter Ausschluss des Bezugsrechtes der bestehenden Aktionäre gegen Barzahlung zugelassen". Der Ausgabekurs pro Stückaktie soll "in Höhe des Durchschnitts der Börsenschlusskurse der Aktien der Gesellschaft an der NASDAQ Europe an deren Börsetagen ab 4. 9. 2001 bis 7. 9. 2001", mindestens aber mit 1,50 Euro festgesetzt werden.

Forderungen an IBM und Bluebull
Das börsenotierte Wiener Internet-Unternehmen und Softwarehaus YLine hat das abgelaufene Geschäftsjahr 2000 mit 37,7 Mill. Euro (519 Mill. S) in der Kreide beendet. Laut Yline haben sich diese Schulden großteils auf IBM (14 Mill. Euro) und das Finanzinformations-Portal von Mike Lielacher, Bluebull (6 Mill. Euro), aufgeteilt. Mit beiden befindet sich das Unternehmen seit kurzem im Rechtsstreit.

Mit IBM hatte YLine vor wenigen Wochen die Partnerschaft aufgekündigt. Wegen angeblicher Nichteinhaltung des Vertrags hat YLine IBM wegen "Vertragsbruch, die missbräuchliche Verwendung ihrer marktdominierenden Stellung und die Anwendung unfairer Geschäftsmethoden" Klagen eingebracht - zusätzlich zu der bereits bestehenden Forderung von 578 Mill. S hat YLine laut "Format" auf dem Klagsweg weitere rund 130 Mill. S (9,45 Mill. Euro) Schadenersatz wegen Kursverfall der YLine-Aktie gefordert.

IBM wiederum hat eine vertraglich vereinbarten Globalzession geltend gemacht, wonach YLine rückwirkend per 17. Mai 2001 ihre gesamten Forderungen an die IBM Österreich AG abgetreten hat. Die rund 14 Mill. Euro, die YLine IBM schuldet, hätten bis spätestens Ende Juli bezahlt werden müssen.

Zuletzt ist nun außerdem ein von YLine Mitte August angekündigter Verkauf von 900.000 Aktien des Internet-Auktionshauses Bluebull an den US-Fonds und Finanzierungspartner Navigator geplatzt. Ursprünglich hätte YLine die rund 20 Prozent Bluebull-Anteile von der Schweizer City M&A AG, Amriswil, für die Deckung einer Forderung über 6,1 Mill. Euro (83,9 Mill. S) erhalten sollen. Im Zuge der Globalzession hat sich die City M&A AG, an der Bluebull-Hauptaktionär Michael Lielacher 75 Prozent hält, aber nun entschlossen, die 900.000 auf einem Sperrdepot zu hinterlegen.

4.9.2001 16:14