Vier Wochen nach Vermarktungsstopp f. Medikament

Vier Wochen nach dem Vermarktungsstopp für den Cholesterinsenker Lipobay hat die Staatsanwaltschaft Köln ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche der Bayer AG eingeleitet. Es bestehe der Anfangsverdacht eines fahrlässigen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz unter anderem im Zusammenhang mit Lipobay, teilte Oberstaatsanwältin Regine Appenrodt heute mit.
Die Behörde habe in den vergangenen Wochen Vorermittlungen geführt. Ein Sprecher des Konzerns erklärte dazu, Bayer habe jederzeit verantwortungsvoll und im Interesse der Sicherheit der Patienten gehandelt. Das Unternehmen sei überzeugt davon, dass die Ermittlungen dies bestätigten.
Bayer hatte den Cholesterinsenker Anfang August wegen vermehrter Meldungen über die Nebenwirkung Muskelzersetzung vom Markt genommen. Das umstrittene Arzneimittel Lipobay, das im Ausland den Namen Baycol trägt, wird weltweit mit dem Tod von über 50 Menschen in Verbindung gebracht. Das Bundesgesundheitsministerium warf Bayer im August vor, das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte nicht unverzüglich über Risiken des Cholesterinsenkers informiert zu haben.
Bayer wies den Vorwurf mehrfach zurück. Das Bundesinstitut leitete inzwischen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein, durch das Bayer ein Bußgeld droht. Außerdem kommt auf den Leverkusener Konzern eine Klagewelle in den USA mit hohen Forderungen wegen Baycol zu.
Der Vermarktungsstopp für das Medikament hatte einen Kurseinbruch bei der Bayer-Aktie ausgelöst. Bayer hatte zuvor bereits Gewinnwarnungen wegen Konjunkturproblemen im Chemie- und Kunststoffbereich abgegeben. Der Bayer-Vorstand kündigte daraufhin den Abbau von weltweit 4.000 Arbeitsplätzen an. Auch wurde der für Ende September geplante Gang an die New Yorker Börse ins kommende Jahr verschoben.
Die angeschlagene Pharmasparte wird auf den Prüfstand gestellt. Erstmals schloss der Vorstand nicht mehr aus, dass Bayer bei einer Pharma-Kooperation auf die unternehmerische Führung verzichten könnte. Unklar ist, ob der Vorstand dem Aufsichtsrat am 13. September ein Konzept vorlegen wird. Die Bayer-Aktie lag am Dienstag mit 36,50 Euro (502,3 S) ein Prozent im Plus.

