Montag, 3. September 2001

Wirtschaftskammer bastelt "Brutkasten" für Exporteure

5.000 Betriebe sollen in den kommenden beiden Jahren animiert werden, den Schritt in die Auslandsmärkte zu wagen. Für die "Neueinsteiger" wird es ein Programm geben, das den Betrieben Unterstützung beim Einstieg in neue Märkte bieten soll.

Die Wirtschaftskammer (WKÖ) will in den nächsten beiden Jahren die Zahl der ins Ausland liefernden österreichischen Betriebe um ein Drittel auf 20.000 erhöhen. Damit wird zusätzliches Wachstum für die Volkswirtschaft und Mehreinnahmen für den Finanzminister generiert.

Abflachung des Wachstums befürchtet
Die Maßnahmen für diese Initiative haben Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und Egon Winkler, Chef der Außenwirtschaftsorganisation (AWO) der Kammer vorgestellt. Hintergrund ist die für heuer und nächstes Jahr prognostizierte deutliche Abflachung des Wachstums der österreichischen Ausfuhren. Gleichzeitig muss die AWO ein Fünftel ihrer Kosten einsparen.

Redkorjahr 2000
Im Rekordjahr 2000 sind die rotweißroten Ausfuhren im Schnitt um 15,6 Prozent gewachsen. Heuer rechnet die Kammer noch mit einem Wachstum von 6 bis 7 Prozent, 2002 mit vier Prozent. "Mehr Exporteure bedeutet ein größeres Stück vom nicht mehr so rasch wachsenden Kuchen", sagte Leitl. Laut Studien bringe jeder Prozentpunkt mehr Exportwachstum zusätzlich 6 Mrd. S (436 Mill. Euro) für die Volkswirtschaft. Per Telefon, Emails und über die Medien sollen potenzielle Exporteure angesprochen und motiviert werden.

Programm für Neo-Exporteure
Für "Neueinsteiger" wird ein abgestuftes Programm aufgelegt, mit dessen Hilfe die Betriebe auf die fremden Märkte begleitet werden können. Es reicht von Selbstchecks im Internet ("Ist ihr Betrieb exportfit?") bis hin zu einer kostenlosen Export-Serviceline ab Beginn 2002. Über eine E-Business-Plattform in acht Sprachen sollen die Unternehmen in acht Sprachen weltweit per Internet anbieten können.

Gleichzeitig soll die Außenwirtschaftsorganisation der Kammer unter dem Motto "Export Support" die direkte, individuelle Unterstützung von der Suche nach Geschäftspartnern bis zur Anlaufphase der Geschäftsbeziehung unterstützen. Versprochen wird u.a. eine neue Form der Intensivbetreuung, bei der ein Mitarbeiter der Außenhandelsstelle 12 Monate lang als "Verbindungsoffizier" zwischen dem potenziellen Exporteur und seinem Kunden fungieren soll.

Appell an Grasser
An den Finanzminister appellierte Leitl, die Exporteursoffensive etwa mit einer gesenkten Besteuerung nicht entnommener Gewinne zu unterstützen. Es sei darüber hinaus "das Recht und wahrscheinlich sogar die Pflicht" des Finanzministers, die Effizienz der staatlichen Exportgarantien und - versicherungen zu überprüfen, sagte Leitl, auf eine diesbezügliche Expertenprüfung der Kontrollbank angesprochen. "Übervorsichtiges Agieren" führe jedoch zum Verlust von Milliardenaufträgen aus dem Ausland.

3.9.2001 16:35