Mittwoch, 5. September 2001

Nach verschlafenem Lauf hinter Mutola und Holmes

Stephanie Graf hat bei den Goodwill Games in Brisbane im 800-m-Lauf wie schon beim Golden-League-Meeting in Berlin den dritten Platz belegt. Graf macht das allerdings nichts aus, sie wollte eine neue Taktik versuchen. Für sie ist das Grand Prix-Finale in Melbourne jedenfalls wichtiger.

Die Kärntnerin nahm die neuerliche Niederlage gegen Mutola nicht weiter tragisch. "Ehrlich gesagt war mir das Rennen hier egal", meinte die Kärntnerin, "ich wollte endlich wieder ohne Druck und Nachdenken laufen." Dazu probierte Graf eine neue Taktik. "Ich wollte einmal nicht vor Maria, sondern hinter ihr laufen. Und das ist gründlich in die Hose gegangen. Ich habe das Rennen gewissermaßen verschlafen."

Graf kam nur auf eine Zeit von 2:00,93 Minuten, der Sieg ging wie so oft an Maria Mutola aus Mosambik. Die Afrikanerin holte sich in 1:58,76 Minuten Gold vor der Britin Kelly Holmes (1:59,27). Im Duell zwischen Graf und Mutola ist die Weltmeisterin von Edmonton damit in dieser Saison mit 4:3 in Führung.

Graf muss vorne laufen
Mitten im Feld zu laufen, ist eben nicht die Sache der Völkermarkterin. "Ich bin ein Mensch, der gerne den Ton angibt. Und wenn ich mitten im Feld bin, dann achte ich nicht auf die anderen, ich versäume die Attacken, merke nicht richtig, wann die Post abgeht." So war es auch bei den Goodwill Games, Platz drei war so das höchste der Gefühle. "In dieser Hinsicht war das Rennen wenigstens wertvoll. Denn ich weiß, dass ich, wenn ich von vorne laufe, viel wacher bin. Dann sind meine Sinne geschärft und ich bemerke jede Bewegung des Feldes."

In Melbourne wird wieder weniger geschlafen
Viel wichtiger ist für die 28-Jährige aber ohnehin das Grand-Prix-Finale in Melbourne am Sonntag: "Dort geht es um weit mehr." Da will sie sich auch wieder der gewohnten "Routine" unterziehen, auf die sie in Brisbane verzichtet hat. "Ich war am Morgen nicht einmal laufen, habe stattdessen drei Stunden länger geschlafen. In Melbourne werde ich das wieder anders machen."

"Sie war nie wirklich im Rennen", meinte Graf-Manager Robert Wagner zu dem Lauf. "Sie hat sich den Lauf mehr oder weniger angeschaut, als dann vorne die Post abging, war es zu spät", erklärte der Oberösterreicher. Allerdings war Graf auch durch ein körperliches Problem gehandicapt und nicht ganz auf der Höhe. "Wichtig ist allerdings, dass sie am Sonntag beim Grand-Prix-Finale in Melbourne wieder auf der Höhe ist", sagte Wagner, der dort auf die "Revanche" hofft.

5.9.2001 14:17