Dienstag, 4. September 2001

"Wien besser mit acht als mit fünf Punkten verlassen"

Bosnien-Herzegowina ist nach dem 0:0 am Samstag in Sarajewo gegen Israel in der Gruppe sieben der Fußball-WM-Qualifikation endgültig aus dem Rennen um den zweiten Tabellenplatz hinter Spanien. Das macht die Aufgabe der Österreicher, die am Mittwoch im Happel-Stadion nicht verlieren dürfen, aber um nichts leichter.

"Wir sind zwar mit hängenden Köpfen gekommen, doch wir spielen in Wien um unsere Ehre und die Spieler stehen in der internationalen Auslage", sagte Ahmet Pasalic, der Sportdirektor des bosnischen Verbandes.

"Wir werden uns hier so teuer wie möglich verkaufen"
Den Hausherren werde nichts geschenkt, im Gegenteil, sie müssten sich auf einen heißen Tanz gefasst machen. Bosnien habe in Wien nichts zu verlieren, sondern könne nur gewinnen. "Wir werden uns hier so teuer wie möglich verkaufen", kündigt Pasalic an. Und Marko Topic, der als Ex-Austrianer in Wien doppelt motiviert ist, aber wie der "Kärntner" Almedin Hota zumindest von Beginn an nicht spielen dürfte, ergänzt: "Wir werden den Österreichern sicher nichts schenken und alles geben, um uns zu rehabilitieren."

Keeper Tomislav Piplica spricht ähnlich: "Besser mit acht als mit fünf Punkten Wien verlassen." Das könnte in der Endabrechung (die Bosnier empfangen noch Liechtenstein) wenigstens den dritten Endrang ergeben. So leid es ihm für Österreich tue, aber Bosnien wolle hier gewinnen, sagt Piplica. Der Klubkollege von Topic in den Reihen von Energie Cottbus, hat am Samstag im Spiel gegen Israel eine leichte Verletzung im verlängerten Rücken abbekommen. Die Gäste rechnen aber mit seinem Einsatz. Viel deutet darauf hin, dass Elvir Baljic die einzige Spitze sein dürfte und Sergej Barbarez dahinter spielen wird.

Barbarez hatte im Juli eine schwere Knöchelverletzung erlitten und erst am Sonntag im Testspiel des Hamburger SV gegen Arminia Bielefeld (0:0) ein 45-minütiges Comeback gegeben. Er wirkte dabei zwar engagiert und lauffreudig, keineswegs aber torgefährlich und noch nicht full fit. Die Anwesenheit des Bundesliga-Schützenkönigs der vergangenen Saison sei jedoch in moralischer Hinsicht für die Mannschaft wichtig, hieß es aus dem Lager der Bosnier. Dort steht übrigens Teamchef Miso Drago Smajlovic nach dem Quali-K.O. jetzt noch mehr in der Kritik.

Bosnien testet junge Spieler für die Zukunft
Er ist für die bisherige schlechte Bilanz (nur ein Sieg/3:0 in Liechtenstein, aber drei Niederlagen und zwei Remis) verantwortlich. Viele in Bosnien meinen, es würde das letzte Spiel von Smajlovic sein. Sein Co Blaz Sliskovic sagt dazu: "Das Spiel ist für den alten oder neuen Trainerstab auch eine Hoffnung." Für Pasalic ist das Österreich-Spiel eine Standort-Bestimmung. "Wir haben eine relativ junge Mannschaft, hier wird sich zeigen, mit wem wir in Zukunft rechnen können." Der Sportdirektor kündigte auch an, dass man noch mehr junge Spieler und solche, die in bosnischen Klubs tätig sind, ins Team einbauen werde.

In Bosnien glauben viele Fans und auch Medien, das Nationalteam sei besser als das von Österreich oder Israel. "Das entspricht nicht der Realität. Wir müssen auf dem Boden bleiben. Viele Spieler haben nicht den Charakter, die Moral, die Kraft und die Konzentration zum Siegen und zum Tempo-Fußball über 90 Minuten", kritisiert Sliskovic. Gegen Israel stand die Abwehr gut, war das Mittelfeld solid, aber die Durchschlagskraft und der letzte Pass vor dem Tor haben gefehlt. Dieses Manko muss ja nicht ausgerechnet in Wien behoben werden.

WM-Quali auf allen Kontinenten:
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4.9.2001 10:58