Sonntag, 9. September 2001

SPÖ-Sima spricht im FORMAT von Schlamperei

Wer sich in Sachen BSE bisher auf die heimischen Kontrollmechanismen verlassen hat, dem könnte angesichts eines Prüfdokuments aus Brüssel der Bissen im Hals steckenbleiben: Ein FORMAT exklusiv vorliegender Bericht des Lebensmittel- und Veterinäramts der EU-Kommission, der die österreichischen BSE-Maßnahmen unter die Lupe nimmt, stellt schwerwiegende Mängel fest.

Bestätigt werden darin auch Kritikpunkte, die bereits öfters von der SPÖ-Umweltsprecherin Ulli Sima gerügt wurden.

Ein Punkt betrifft die Entfernung von spezifiziertem Risikomaterial (SRM), also Hirn, Augen und Rückenmark, die als hochinfektiös gelten und EU-weit ausnahmslos entfernt werden müssen. "Es gab kein effizientes Kontrollsystem zur Überwachung der gesamten SRM-Entsorgungskette", so die Prüfer, die im Februar ihre Kontrollen durchführten. Die Folge: "Das bedeutet, dass SRM aus dieser Entsorgungskette verschwinden kann." Damit ist nicht hundertprozentig sicherzustellen, dass sich diese Materialien nicht in verarbeiteten Lebensmitteln wie zum Beispiel Wurst wiederfinden.

Auch ein Vertauschen von BSE-Risiko- und ungefährlichem Fleischmaterial sei - laut EU-Bericht - nicht auszuschließen: "Die Sammelmethoden für Schlachtabfälle und die Etikettierung der Sammelbehälter waren nicht geeignet sicherzustellen, dass eine Mischung von SRM und Nicht-SRM im Zuge der Sammlung in zwei der Einrichtungen, die frisches Fleisch herstellen, ausgeschlossen werden konnte."

Eine weitere Rüge erteilen die EU-Prüfer hinsichtlich des Tiermehlverfütterungsverbots. Seit zehn Jahren werde Wiederkäuern kein gefährliches Tiermehl mehr ins Futter gemengt, sehr wohl aber Hühnern und Schweinen. Da in einigen Fabriken Futtermittel für alle Tiere produziert wird, muss daher besonders auf Reinheit geachtet werden, um gefährliche Vermischungen zu vermeiden. Ein Umstand, dem laut EU-Bericht nicht immer Rechnung getragen wird: "Der Besuch einer großen Futtermühle ergab, dass die Gefahr einer Kreuzkontamination in Wirklichkeit häufiger und höher war, als es die amtlichen Ergebnisse vermuten ließen."

Die Schlußfolgerung der Expertengruppe: "Wenn kontaminiertes Fleisch-Knochen-Mehl auf den österreichischen Markt gelangt ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Tiere mit dem BSE-Erreger in Berührung gekommen sind, weil das Verfütterungsverbot nicht effektiv überwacht wurde." Für Sima ist dieses Prüfergebnis "ein vernichtendes Zeugnis. Es leidet die Sicherheit unserer Lebensmittel und damit die Konsumenten."

Lesen Sie alles zum BSE-Risiko in Österreich im aktuellen FORMAT!

9.9.2001 15:13