40 Mal mit Bundeswehr nach Frankfurt/M.

Neue Ungereimtheiten kommen in Scharpings Flug-Affäre jetzt ans Licht. Bis zu 40 Mal ist der deutsche Verteidigungsminister angeblich mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr zu seiner Liebsten geflogen. Trotz unveränderter Kritik von allen Seiten will der deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping weiter im Amt bleiben. Unerwartete Rückendeckung gibt es von der PDS. Ihre Forderung: "Weiter so, Rudi: Make love, not war!"
Seit Beginn der Beziehung zu Kristina Gräfin Pilati flog Scharping häufig an ihren Wohnort Frankfurt. Demnach unternahm der Minister seit August 2000 weit mehr als die bisher genannten 20 Flüge nach Frankfurt. Bis zu 40 Mal ist er mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr an den Main geflogen, hieß es am Donnerstag von informierter Seite. Bei etwa zwölf Flügen ist zweifelhaft, ob sie wirklich dienstlicher Natur gewesen sind.
"Geburtstagsflug" widerspricht Richtlinien
Scharping flog am 9. Mai dieses Jahres - dem Geburtstag von Pilati - zwar mit einer Lufthansa-Maschine nach Frankfurt, am nächsten Tag allerdings mit einer Bundeswehr-Maschine als einziger Passagier nach Berlin zurück. Der "Geburtstagsflug" würde dem Wirtschaftlichkeitsgebot in den Richtlinien für die Benutzung von Bundeswehrflugzeugen widersprechen.
Scharping flog zwischen dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin im September 1999 und August 2000 kaum nach Frankfurt, sondern fast ausschließlich von der Hauptstadt nach Köln. Dort hat die Flugbereitschaft der Bundeswehr ihren Standort. Der Minister wohnte zu diesem Zeitpunkt in Lahnstein. Ab August 2000 bis September 2001 nahmen die Flüge Scharpings nach Frankfurt sprunghaft zu.
Trotz Kritik: Scharping will Arbeit "konzentriert fortführen"
Der verteidigungspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion Paul Breuer forderte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf, jetzt schnellstens "reinen Tisch" zu machen und Scharping zu entlassen.
Scharping beantwortete in seinem kurzen Statement keine Fragen von Journalisten. Er erklärte: "Sie sehen mich ruhig, sehr ernst und in der Gewissheit, dass ich meine Arbeit konzentriert fortführen werde."
Bundestag fordert Erklärung von Scharping
Scharping muss am Montag vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestages Rechenschaft über seine Nutzung der Flugbereitschaft ablegen. Neben seinem Abstecher nach Mallorca wirft ihm die Union vor, bis zu dreimal in der Woche nach Frankfurt zu seiner Freundin Kristina Gräfin Pilati-Borggreve geflogen zu sein.
Aus Sicherheitsgründen werden Inlandsflüge mit der Bereitschaft nicht in Listen für jeden Minister dokumentiert, sondern müssen eigens zusammengestellt werden. Vor Scharping hatten schon andere Regierungsvertreter Ärger wegen der Nutzung der Flugbereitschaft: Nach dem Wirbel um die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) wurden die Richtlinien 1998 zwar geändert - lassen offensichtlich aber immer noch genug Raum für Interpretationen.
PDS gibt Scharping Rückendeckung
Doch ausgerechnet von der PDS erhält er nun Rückendeckung, die ihn wegen seines Eintretens für die NATO-Angriffe auf Jugoslawien in der Vergangenheit immer heftig kritisiert hatte. "Weiter so, Rudi: Make love, not war!", feuern der stellvertretende PDS-Vorsitzende Diether Dehm und Bundestagsvize Wolfgang Gehrcke den SPD-Vize an.
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