Donnerstag, 30. August 2001

Im Test: Citroen Berlingo, Fiat Doblo, Renault Kangoo

Besonders die preiswerten, multifunktionalen Großraumkombis erfreuen sich steigernder Beliebtheit. Ein Crashtest beim ÖAMTC hat nun ergeben, dass die sogenannten Family-Vans erhebliche Sicherheitsmängel haben. Fahrer und Beifahrer sind im Family-Van bei Unfällen einer wesentlich größeren Gefahr ausgesetzt als im normalen PKW.

Der ÖAMTC hat dieses Segment genauer unter die Lupe genommen und Citroen Berlingo, Fiat Doblo sowie Renault Kangoo einem Crashtest unterzogen. Vor allem im Frontcrash waren enorme Belastungen für Fahrer und Beifahrer aufgetreten, beim Seitencrash kippten zwei Kandidaten um.

Mit 25 Punkten und gerade noch vier Sternen liegt der Renault Kangoo an erster Stelle, der Fiat kam zwar beim zweiten Test mit 25 Punkten ebenfalls zum vierten Stern, der wurde aber wegen des hohen Risikos für lebensbedrohende Brustverletzungen gestrichen. Der Citroen Berlingo erreicht mit der Gesamtpunktezahl 18 gerade noch drei Sterne.

Seiten-Crash: Berlingo und Kangoo kippten um
"Bei Berlingo und Doblo können die hohen Brustbelastungen in der Praxis zu lebensgefährlichen, wenn nicht sogar tödlichen Verletzungen führen", warnte Karl Obermair, Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung. Im Seitencrash haben die Großraumkombis von den Punkten her sehr gut abgeschnitten, bei zwei der drei Vans gab es aber fatale Schwächen: Berlingo und Kangoo kippten beim Anprall des Crashschlittens um.

Ergebnis im Vergleich zu anderen Mini-Vans schlecht
Im Vergleich mit den im Frühjahr 2001 getesteten Mini-Vans Citroen Picasso, Mazda Premacy, Mitsubishi Space Star, Nissan Almera Tino und Renault Scenic haben die drei Probanden schlecht abgeschnitten, so der ÖAMTC. Berlingo und Doblo wurden "Schlusslicht", nur der Kangoo erreichte das Mittelfeld.

Verbesserungen möglich
Verbesserungen wären aber durchaus möglich, so ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang. Der Kangoo könnte in die Oberklasse der Vier-Sterne-Autos aufrücken, wenn Seitenairbags auch in den Basisversionen serienmäßig wären und der Schutz im Beinbereich des Beifahrers verbessert würde. Der Doblo könnte einen vierten Stern erhalten, würde die von Fiat schriftlich angekündigte Überprüfungen der Ergebnisse zu einer wesentlichen Verbesserung des gesamten Rückhaltesystems führen.

Mängel bei empfohlenen Kindersitzen
Die von den Herstellern empfohlenen Kindersitze (Renault/Kiddy Equation, Citroen/Römer Prince, Fiat/Kiddy 2000) erreichten beim Frontalcrash ein gutes bis zufrieden stellendes Ergebnis, hieß es. Bei einem Seitenaufprall ist die Kindersicherheit beim Citroen gut. Beim Fiat haben die Sitze für größere Kleinkinder (Dreijährige) aber keinen zuverlässigen Kopfseitenschutz geboten, außerdem ist auf der stoßabgewandten Seite an der Sitzschale die Gurtführung weggebrochen, der Gesamtschutz habe sich noch weiter verringert. Beim Renault boten die Kindersitze keinen optimalen Kopfseitenschutz.

Die Bewertung
Bei der EuroNCAP-Norm (European New Car Assessment Programme) werden die Fahrzeuge im Front- und Seitencrash getestet, ein eigenes Kriterium ist die Kindersicherheit. Beim Frontalaufprall wird das Auto mit 64 km/h und einer Überdeckung von 40 Prozent an der Fahrerseite gegen eine deformierbare Barriere gekracht. Um einen praxisnahen Seitenaufprall zu simulieren, wird ein Crashschlitten mit 50 km/h gegen die Fahrerseite gefahren. Hunderte Messdaten ergeben die Benotung in Form einer Sternchenwertung, fünf Sterne sind das Maximum.

30.8.2001 12:06
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