Der abgesetzte AUA-Chef im FORMAT-Interview

Herbert Bammer, scheidender AUA-Chef, spricht in seinem Abschiedsinterview über politsche Untergriffe, die beinahe bankrotte Lauda-air und seinen Nachfolger Vagn Sorensen.
FORMAT: Herr Bammer, der neue AUA-Chef steht fest. Sie müssen nach Untergriffen der Politik und der ÖIAG gehen. Und die AUA hat böse Verluste. Kein schönes Ende?
BAMMER: Natürlich wären mir bessere Zahlen und ein anderer Abgang angenehmer gewesen. Das letzte Jahr war sehr unerfreulich.
FORMAT: Sie meinen die Angriffe gegen Sie und Ihren Kollegen Mario Rehulka nach dem Regierungswechsel?
BAMMER: Sie haben selbst die berühmte Abschußliste von Managern, die weggehören, veröffentlicht. Das ist der Hauptgrund, warum wir gehen mußten.
FORMAT: Ein parteipolitisches Motiv?
BAMMER: Ich war die primäre Zielscheibe, weil ich der SPÖ zugerechnet werde. Bemerkenswert ist: Kanzler Schüssel hat den AUA-Vorstand jahrelang als positives Beispiel genannt. Während der Ablösediskussion kam kein einziges Wort von ihm.
FORMAT: Fühlen Sie sich eigentlich durch diese Vorgangsweise gedemütigt?
BAMMER: Nein, weil manche Personen, die diese Ablöse betrieben haben, mich nie persönlich getroffen haben und sich auch nie ernsthaft mit der Luftfahrt auseinandergesetzt haben.
FORMAT: Und auf ÖIAG-Chef Johannes Ditz sind Sie nicht sauer?
BAMMER: Ditz hatte die Vorgabe seines Aufsichtsrates, uns zu entfernen. Wäre ihm das nicht gelungen, hätte er selbst Probleme bekommen.
FORMAT: Keine sehr elegante Art.
BAMMER: Diese Mittel wurden gewählt, weil wir nicht freiwillig gegangen sind.
FORMAT: Es heißt, Sie seien Ditz in den Rücken gefallen, nachdem Sie einem Rücktritt schon zugestimmt hatten.
BAMMER: Das ist ein Mißverständnis. Von einem freiwilligen Rücktritt war keine Rede. Wir sagten: Wenn die Mehrheit im Aufsichtsrat es will, dann gehen wir. FORMAT: Was sagen Sie zu den Vorwürfen, Rehulka und Sie hätten die AUA durch Mißmanagement ins Trudeln gebracht?
BAMMER: So schlecht können wir nicht gewesen sein. 2000 waren wir WU-Manager des Jahres, und 2001 erhielten wir das Große Goldene Ehrenzeichen vom Bundespräsidenten verliehen und von Herrn Grasser überreicht.
FORMAT: Wie sehr hat Ihnen der Streit mit Niki Lauda geschadet?
BAMMER: Das war sicher eine Doppelmühle: zum einen die politische Konstellation, zum anderen die Rachegelüste von Lauda. Der ist eine ähnliche Persönlichkeit wie Jörg Haider und FPÖ-Klubchef Peter Westenthaler: Er argumentiert in der Öffentlichkeit total überzeugend, auch wenn er die Unwahrheit sagt.
FORMAT: Hätten Sie rückblickend mit Lauda anders verfahren müssen?
BAMMER: Es war ein taktischer Fehler, daß wir die Mehrheit der Lauda-air nicht früher übernommen und Leute unseres Vertrauens im Vorstand verankert haben.
FORMAT: Gab es Überlegungen, Lauda in den Konkurs zu schicken?
BAMMER: Ja, wir hätten zugesperrt, hätten wir nicht zig Lauda-Flugzeuge finanziert. Die Flieger ließen sich jetzt nur mit Hunderten Millionen Schilling Verlust verkaufen. Außerdem hielten wir die Lauda-air mit einem gutem Management für lebensfähig.
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