Freitag, 31. August 2001

Land von einer schweren Krise heimgesucht

Türkische Religionsführer haben am Freitag um göttliche Hilfe für das krisengeschüttelte Land gebetet und an alle Moslems appelliert, den Versuchungen ausländischer Währungen zu widerstehen. "Möge Allah unserem Land helfen, wirtschaftliche Stabilität wiederzuerlangen"...

Diese Predigt hielt der führende Geistliche Mehmet Nuri Yilmaz vor mehreren tausend Gläubigen, die zu den traditionellen Freitagsgebeten in die Moscheen nach Ankara gekommen waren.

Er prangerte in seiner Predigt vor allem die Flucht vieler Anleger in den Dollar und die Mark an und nannte die türkische Lira eines der wichtigsten Symbole für die nationale Souveränität. Die Lira hat seit der jüngsten Finanzkrise im Februar 50 Prozent an Wert verloren.

"Leider werden in unserem Land Einkäufe auf Märkten und Basaren in ausländischer Währung erledigt", sagte der Geistliche weiter. Dies sei der falsche Weg. "Wir müssen unserer Währung wieder den Wert geben, den sie verdient", predigte er weiter. Türkisches Geld dürfe nicht in den Dollar oder die DM fließen, sondern müsse für die inländische Produktion verwendet werden.

Seitdem die türkische Zentralbank im Zuge der Finanzkrise im Februar den Lira-Wechselkurs freigeben musste, haben viele Investoren aus Sorge vor Kursschwankungen Devisenreserven in Dollar und Mark aufgebaut. Die herben Kursverluste der Lira erhöhen die Auslandsschuldenlast des türkischen Staates und der Unternehmen. Am Freitag kostete ein Dollar knapp 1.400.000 Lira.

Die türkische Wirtschaft steckt seit Jahren in einer Rezession. Im ersten Halbjahr schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP), der Wert der erwirtschafteten Leistung, im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres um 6,1 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank haben der Türkei Finanzhilfen über 15,7 Mrd. Dollar (17,1 Mrd. Euro/236 Mrd. S) zugesagt. Das Land hat sich im Gegenzug verpflichtet, sein marodes Bankensystem zu reformieren.

31.8.2001 16:52