Nikkei erstmals seit 1984 unter 11.000 Punkten

Die Hiobsbotschaften aus Japan reißen nicht ab. An Tokios Aktienbörse stürzte der Nikkei-225-Index am Mittwoch auf Grund der Sorgen über Verzögerungen bei der Bankensanierung erstmals seit 17 Jahren unter 11.000 Punkte.
Japans Minister fürs Finanzwesen, Hakuo Yanagisawa, hatte erklärt, die angeschlagenen Banken dürften noch sieben Jahre benötigen, um die Problemkredite zu 60 Prozent aus ihren Büchern zu tilgen. Darauf kam es zu starken Verkäufen bei Bankaktien, war der Markt doch bisher davon ausgegangen, dass die Regierung das Problem der faulen Kredite innerhalb von drei Jahren lösen wollte.
Zum Handelsschluss notierte der Nikkei-Index einen schweren Verlust von 209,64 Punkten oder 1,9 Prozent bei 10.979,76 Zählern. Das ist der niedrigste Stand seit Oktober 1984. Der TOPIX sackte um zwei Prozent auf 1.126,86 Punkte, der tiefste Stand seit März 1999. Und viele Börsianer sehen weit und breit kein Ende der Talfahrt. Mit am schwersten geprügelt wurde der zuletzt etwas erholte Bankensektor: Mizuho stürzten um 6,9 Prozent, Mitsubishi Tokyo um 5,3 Prozent.
"Die Regierung verzögert das Problem der faulen Kredite der Banken mehr und mehr", sagte Makoto Suzuki von Chuo Mitsui Asset Management der Agentur Bloomberg. Eine Sanierung der angeschlagenen Banken gilt als eine Kardinalaufgabe zur Gesundung der japanischen Volkswirtschaft. Laut Yanagisawa haben die 15 größten Banken trotz hoher Abschreibungen auch nach zehn Jahren noch Problemkredite von 17,4 Bill. Yen (160 Mrd. Euro/2.202 Mrd. S) in ihren Büchern. Erst zum März 2008 rechnet die Regierung damit, dass sich die faulen Kredite der Banken auf sieben Bill. Yen verringern werden.
Vorerst werden jedoch neue hinzukommen, da sich Japans Wirtschaftslage rapide verschlechtert hat und im Zuge der angekündigten Strukturreformen weitere Firmen zusammenbrechen werden. Mit 5,0 Prozent hat Japans Arbeitslosigkeit im Juli bereits einen Nachkriegsrekord erreicht. Die miesen Konjunkturaussichten in Japan sowie den USA trugen am Mittwoch denn auch zu den Kursstürzen bei. Zwar soll die japanische Regierung entschieden haben, nun doch einen Nachtragsetat von bis zu drei Bill. Yen aufzustellen. Die Börse erwartet dadurch aber nur wenig Hilfe.

