Ziegelwerk in Bärnbach (Stmk.) macht dicht

Die Nummer Eins auf dem europäischen Ziegelmarkt, der börsenotierte Baustoffkonzern Wienerberger, sperrt weltweit 13 Werke zu, 593 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Grund: Wegen der schlechten europäischen Baukonjunktur müssen Kosten gespart werden. Auch ein Werk in Österreich ist betroffen: Das Ziegelwerk Bärnbach wird teilweise geschlossen.
Wie das Unternehmen am Freitag ad-hoc mitteilte, werden
+ fünf Ziegelwerke in Deutschland,
+ drei Werke in den USA
+ ein Werk in Österreich,
+ ein Werk in der Schweiz,
+ ein Werk in Tschechien,
+ ein Werk in Polen und
+ ein Werk in den Niederlanden aus dem Markt genommen.
Geschlossen werden sollen überwiegend kleine ältere Produktionsstätten. Weltweit sind von den Schließungen 593 Mitarbeiter betroffen. Durch die Maßnahmen entstehen einmalige Restrukturierungskosten von rund 90 Mill. Euro (1,2 Mrd. S). Diese Kosten werden das Ergebnis des Jahres 2001 erheblich belasten. Sie sind jedoch einmalig und nicht operativ. Der innere Wert des Unternehmens bleibt von diesen Abwertungen unberührt, betonte das Unternehmen. Nach dem Übergangsjahr 2001 will Wienerberger ab 2002 wieder an die Ertragsentwicklung der Vorjahre anschließen zu können.
Nach der Restrukturierung wird die Wienerberger-Gruppe rund 11.000 Mitarbeiter in mehr als 200 Werken in 28 Ländern beschäftigen. Dass Wienerberger nach dem zum "Jahr der Ernte" erklärten Jahr 2000 heuer überhaupt in die roten Zahlen schlittern könnte, schloss der neue Wienerberger-Generaldirektor Wofgang Reithofer aus - "überhaupt im operativen Ergebnis, aber auch so". Sehr wohl sei im "Übergangsjahr 2001" aber ein "unbefriedigendes operatives Ergebnis" zu erwarten.
In "trostlosem Zustand" befindet sich vor allem der mitteleuropäische, namentlich der deutsche Markt, so Neo-Vorstand Johann Windisch. Im traditionellen Kerngeschäft Ziegel bilanzierte der Konzern in dieser Region nur knapp positiv, das Betriebsergebnis der "Baustoffe" (gesamt) ging in dieser Region im ersten Halbjahr um beinahe zwei Drittel auf 38,1 Mill. Euro (524,3 Mill. S) zurück. Die Krise in Deutschland habe auch Auswirkungen auf nördliche benachbarte Märkte wie die Niederlande und Belgien, hieß es. Als konjunkturell positive Ausnahme für Europa wurde Italien angeführt, wo es zuletzt gelungen sei, das Ruder herumzureißen.
Werk Bärnbach wird teilweise geschlossen
Das Ziegelwerk Bärnbach (Bezirk Voitsberg) in der Weststeiermark ist jener heimische Standort der Wienerberger-Gruppe, der im Zuge der Restrukturierung des Konzernes geschlossen wird. Fortgeführt wird nur die Produktion von so genannten "Stürzen" mit wenigen Mitarbeitern. Auch ein Lager soll weiter bestehen bleiben. 17 der 25 Mitarbeiter des Werkes werden mit Feber 2002 ihren Arbeitsplatz verlieren. Ein Sozialplan für die Betroffenen ist in Ausarbeitung. Das Bärnbacher Werk hatte zuletzt 53 Millionen Ziegel im Jahr produziert. Unverständnis äußerte die Gewerkschaft: Es sei unbegreiflich, dass ein gut funktionierendes Werk als "Bauernopfer einer Konzernpolitik herhalten" müsse, hatte kürzlich ein ÖGB-Bezirkssekretär erklärt.

