Dienstag, 28. August 2001

Trotz Rekordhalbjahr nur Vorjahresergebnis erwartet

Die börsenotierte Mayr-Melnhof-Gruppe mit Sitz in Wien bekommt die Verlangsamung der Konjunktur immer deutlicher zu spüren. Ein schwaches zweites Geschäftshalbjahr 2001 ist wahrscheinlich.

Obwohl der Karton- und Faltschachtelhersteller im ersten Halbjahr 2001 einen Rekord-Jahresüberschuss von 48,5 Mill. Euro (667,4 Mill. S) - das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 47 Prozent - erwirtschaftete, rechnete MM-Generaldirektor Michael Gröller auf der Halbjahrespressekonferenz am Dienstag in Wien nur mit einem Gesamtjahresergebnis 2001 in Höhe des Vorjahres. Da dieses 66,7 Mill. Euro betrug, gilt es somit im zweiten Halbjahr noch einen Nettogewinn von 18,2 Mill. Euro zu erwirtschaften.

Lagerabbau bei den Kartonverarbeitern und die Verlangsamung des allgemeinen Wirtschaftswachstums haben im zweiten Quartal zu einem Nachfragerückgang im Kartonbereich und damit verbunden zu Produktionstillständen im Ausmaß von 17 Prozent - das sind rund 64.000 Tonnen - geführt, führte Gröller aus. Die Kapazitätsauslastung sei in der Folge von 98 Prozent im ersten auf 83 Prozent im zweiten Quartal gesunken.

Im Zusammenhang mit der schwachen Nachfrage und Auslastung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es in den zwei österreichischen Kartonwerken zu Kurzarbeit kommen wird. In den Kartonwerken Frohnleiten (Steiermark) und Kirschwang an der Rax (Niederösterreich) dürften laut Gröller rund 600 Beschäftigte davon betroffen sein. Sie wurden aber noch nicht angemeldet.

Auch im jüngst erworbenen deutschen Kartonwerk Gruber+Weber - ein starker Konkurrent, dem er "15 Jahre nachgelaufen ist", so Gröller - wird der Mitarbeiterstand von 250 auf 200 reduziert. Das deutsche Faltschachtelwerk Schött soll Anfang 2002 überhaupt geschlossen werden. Davon sind 50 Mitarbeiter betroffen, kündigte Gröller weiter an.

Werksschließungen könnten folgen
Während Gröller im Kartonbereich kein Werk mehr als "existenzgefährdet" bezeichnete, werden im Faltschachtelbereich zwei bis drei Schließungen überlegt. "An Standorten, die keine Freude machen, wird sehr energisch gearbeitet", meinte Gröller dazu. "Es genügt ein Standort pro Land", laute eine Überlegung, so der für diesen Bereich zuständige MM-Vorstand Wilhelm Hörmanseder. Derzeit führt MM 17 Werke in 7 Ländern mit 2.802 Mitarbeitern.

28.8.2001 12:10