Vagn Sörensen als AUA-Chef nominiert

ÖIAG-Boß Ditz hatte dem früheren SAS-Mann Vagn Sörensen eine Favoritenstellung für den Chefsessel schon vor dem Hearing signalisiert. Bei der SAS musste er gehen, nachdem die EU-Kommission eine Geldstrafe verhängte: Verbotene Kartellabsprachen. Der neue AUA-Vorstand soll offiziell Ende September präsentiert werden.
Der Däne Vagn Sörensen, 41, bis vor kurzem die Nummer zwei der skandinavischen Fluglinie SAS, hat eineinhalb Stunden Zeit, um das Gremium zu von seinen Qualitäten zu überzeugen. Ein anderer Kandidat: Lufthansa-Vertriebsvorstand Thierry Antinori, 40, ein gebürtiger Franzose. Nach weiteren eineinhalb Stunden ist der frühere British-Airways-Mann Carl Michel, 38, an der Reihe, ein Österreicher mit britischem Paß. Ex-ÖBB-General Helmut Draxler, 51, Vierter auf der Kandidatenliste, kommt nicht. Er ließ aus dem Ausland ausrichten, jeder kenne ihn und seine Vorstellungen.
Thema bei der Anhörung hinter verschlossenen Türen: Pläne und Konzepte über die Zukunft der AUA, aber auch über die Verträge, also das Geld.
Sörensen - Nr. 1 an der Gerüchte-Börse
Eine Vorentscheidung ist anscheinend gefallen. Vagn Sörensen traf nämlich schon in der Vorwoche mit AUA-Präsident Ditz zusammen. Der signalisierte, daß der Däne der erklärte Favorit für die Nummer eins im AUA-Cockpit sei.
Sörensen war bis Anfang August Vizechef der skandinavischen Fluglinie SAS, mit guten Chancen für den Chefsessel. Dann allerdings machte eine saftige Geldstrafe der EU-Kommission gegen SAS - wegen verbotener Kartellabsprachen - seinen Ambitionen ein vorläufiges Ende.
Ein verantwortungsvoller Posten
Auf den neuen Vorstand wartet eine schwierige Aufgabe: Vor wenigen Tagen erst hat die AUA einen Verlust von 800 Millionen Schilling im ersten Halbjahr bekannt gegeben. Der neue Vorstand muss einen harten Sanierungskurs fahren und sich dabei dennoch im Haus ein Standing verschaffen. Nur dann können AUA, Lauda Air, Tyrolean und Rheintalflug wieder zu einem starken und eigenständigen Partner in der multinationalen "Star Alliance" werden.
Die vier AUA-Kandidaten im FORMAT-Check
Vagn Sörensen (41)
+ 17 Jahre lang bei der SAS, große internationale Erfahrung
+ Als ehemalige Nummer zwei der SAS ausgewiesene Führungskompetenz
+ Hat bei den Sondierungsgesprächen einen guten Eindruck hinterlassen
– Rücktritt bei der SAS wegen des Vorwurfs verbotener Kartellabsprachen
– Hat dadurch einen angeschlagenen Ruf
Carl Michel (38)
+ Einziger Kandidat, der schon Boß einer Airline war: bei der Deutschen BA
+ Gilt als kreativer Kopf, hatte eine harte Schule bei British Airways
+ Gebürtiger Österreicher: trägt gerne Trachtenjanker
– Ging bei British nicht freiwillig, mußte die Airline im November 2000 mit dem damaligen CEO Bob Ayling verlassen
– Die Deutsche BA schrieb unter seiner Führung herbe Verluste
– Ist noch sehr jung
Thierry Antinori (40)
+ Kennt als langjähriger Lauda-Aufsichtsrat die Verhältnisse in Österreich
+ Kommt vom wichtigsten Partner der AUA-Gruppe, der Lufthansa
+ Könnte AUA zu mehr Gewicht in der Star Alliance verhelfen
– Gilt nicht gerade als Sanierertyp, den die AUA dringend braucht
– Gefahr, daß Antinori vor allem den Lufthansa-Interessen dient und die Austro-Carrier nur auf spätere Übernahme durch die Deutschen trimmt
Helmut Draxler (51)
+ Der härteste und erfahrenste Sanierer unter den Bewerbern
+ Weiß von der ÖBB, wie man mit starken Betriebsräten umgeht
+ Kennt alle Mächtigen der heimischen Wirtschafts- und Politszene
– Wurde von FPÖ-Kreisen als ÖBB-Chef abgesägt. Ihn bei der AUA einzusetzen wäre eine Blamage für die Blauen
– Wollte über zehn Millionen Schilling Jahresgage. Wird verdächtigt, daß er nur pokerte, um Marktwert zu erhöhen
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