Samstag, 1. September 2001

Mutola zerstörte nächsten Goldtraum von Graf

Steffi Graf Diashow: Sportlich & privat

Durch die Niederlage beim Golden League-Meeting in Berlin hat Graf die Chance verpasst, am 50 kg schweren Gold-Jackpot mitzunaschen. 800-m-Olympiasiegerin und -Weltmeisterin Maria Mutola aus Mosambik hat am Freitagabend den Goldtraum der Kärntnerin Stephanie Graf zerstört. Die Afrikanerin gewann beim abschließenden Golden-League-Meeting in Berlin in 1:59,19 Minuten vor der Kanadierin Diane Cummins (1:59,40) sowie Graf (1:59,42).

Stephanie Graf hat in den vergangenen zwölf Monaten gleich mehrere Kapitel österreichischer Leichtathletik-Geschichte geschrieben: Am 25. September 2000 sorgte sie in Sydney mit 800-m-Silber für den größten rot-weiß-roten Olympiaerfolg in einer Laufdisziplin. Es folgten weitere historische zweite Plätze bei der Hallen-WM in Lissabon am 11. März und der Freiluft-WM in Edmonton am 12. August. Daneben gewann die Kärntnerin auch noch die hoch dotierte Energizer-Serie in der Halle und feierte vier Golden-League-Siege. Alles Superlative, die bisher keine ÖLV-Athletin geschafft hat. Doch der ganze große Gold-Triumph blieb der 28-Jährigen verwehrt, so auch am Freitag in Berlin, als sie um 23/100 am Millionen-Jackpot vorbeilief.

Kein Jackpot für Graf
Durch den dritten Platz beim abschließenden Golden-League-Meeting hinter ihrer Dauerrivalin Maria Mutola aus Mosambik, die ihr bereits in Sydney, Lissabon und Edmonton einen Strich durch die Goldrechnung gemacht hatte, und der aufstrebenden Kanadierin Diane Cummins entging Graf eine fette Zusatzprämie von 1,1 Millionen Schilling. Mit dem fünften Golden-League-Sieg hätte sie nämlich den mit 50 kg Gold bzw. sieben Mio. S gefüllten Jackpot der sieben Meetings umfassenden Serie geknackt.

"WM-Trauma"
50.000 S pro Hundertstelsekunde - so teuer kam Graf in Berlin der Fehler zu stehen, dass sie zu spät attackiert hatte. "Ich hab' ein WM-Trauma", analysierte "Österreichs Sportlerin des Jahres 2000" am Tag nach dem nächsten von Mutola zerstörten Goldtraum. "Ich trau' mich nicht mehr 150 m vor dem Ziel voll anzugreifen, weil ich bei der WM ja mit dieser Taktik, um drei Hundertstelsekunden den Sieg verpasst habe. Wenn ich in Berlin so wie in Edmonton gelaufen wäre, dann hätte ich aber sicher gewonnen und den Jackpot geknackt", ärgerte sich Graf.

Anstrengungen blieben unbelohnt
"Der entgangene Ruhm und die damit verbundene Ehre tun mir aber mehr weh als das entgangene Geld", erklärte die ÖLV-Rekordlerin, der auch noch am Samstag die Enttäuschung anzumerken war. "Ich hatte schon vier Golden-League-Siege in der Tasche und dann verliere ich ausgerechnet auf der letzten Station." All die Anstrengungen, die sie aufgewendet hatte, um den nächsten historischen Leichtathletik-Triumph für Österreich zu fixieren, blieben am Ende unbelohnt. "Es hat nicht sollen sein."

Heuer noch zwei Duelle mit Mutola
Doch vor Beginn der Freiluftsaison hätte die Laufgräfin aus Völkermarkt "nie und nimmer gedacht", dass sie in Berlin noch um den Jackpot mitlaufen würde. "Mein ursprüngliches Ziel war ja, endlich den ersten Sieg bei einem Golden-League-Meeting für Österreich zu schaffen", betonte Graf, die nun am Mittwoch bei den Goodwill Games und vier Tage später beim Grand-Prix-Finale in Melbourne ihrer Erzrivalin Mutola noch einmal die Fersen zeigen will. "Derzeit ist die Freiluft-Bilanz zwischen mir und Maria mit 3:3 ausgeglichen. Ich hoffe, am Ende steht's 5:3 für mich. Das hat gegen die 'Mizzi' noch keine geschafft."

Die sechs Golden-League-Jackpot-Gewinner
Violeta Szekely (ROM/1.500 m/7 Siege), Marion Jones (USA/100 m/5 Siege), Olga Jegorowa (RUS/3.000 bzw. 5000 m/5 Siege), Allen Johnson (USA/110 m Hürden/5 Siege), Hicham El Guerrouj (MAR/1.500, Meile bzw. 2000 m/5 Siege), Andre Bucher (SUI/800 m/5 Siege)

1.9.2001 13:15