ORF: Ja zur WM, aber nicht um jeden Preis

Bei den Spielen gegen Spanien und Bosnien-Herzegowina geht es nicht nur um die Teilnahme Österreichs an der Fußball-WM 2002, sondern auch um die WM im ORF. Wenn sich das Nationalteam nicht qualifiziert droht auch den Fans die Mattscheibe: Der ORF könnte eine Fußball-WM ohne Österreich ganz einfach nicht ausstrahlen!
Hinter den Kulissen tobt längst ein beinhartes Match um die sündteuren TV-Rechte. ORF-Sportchef Elmar Oberhauser pokert hoch und lässt Rechteinhaber Leo Kirch wissen: "Ja zur WM im ORF, aber nicht um jeden Preis" – im Klartext: Für eine WM ohne Österreich ist das ORF-Interesse mehr als gedämpft. Kollektives Daumendrücken beim Fußball-Showdown der kommenden Woche ist daher fast so etwas wie nationale Pflicht.
Teure WM-Rechte
Österreich bei der WM – dann wäre die WM auch im ORF (fast) gesichert. Oberhauser zu TV-MEDIA: "Die Frage, ob Österreich bei der WM mitspielt, ist ein wesentlicher Faktor für die Entscheidung zum Kauf der Rechte." Der (teure) Hintergrund für Oberhausers Hinhaltetaktik: Kirch hat sich um 24,6 Milliarden Schilling die weltweiten TV-Rechte an den WMs 2002 und 2006 gesichert, jetzt will der Münchner Medienzar die Früchte seines Investments ernten und von den TV-Sendern Bares sehen. Für den ORF bedeutet das: Um preiswerte 25 Millionen Schilling, wie zuletzt bei der WM 1998 in Frankreich, wird es die Lizenzen mit Sicherheit nicht mehr geben. Ein Blick über die Grenzen zeigt, wie tief Kirch in die Taschen der Sender greifen will: Der öffentlich-rechtliche Schweizer Sender SRG brach die Verhandlungen mit Kirch ab, nachdem dieser zehnmal mehr kassieren wollte, als die Eidgenossen 1998 gezahlt hatten.
Kirch: "Big Money" nur aus Deutschland und Spanien
Die Zurückhaltung vieler großer TV-Nationen schmerzt Kirch natürlich weit mehr. Tatsächlich existieren lukrative Verträge bislang nur mit den beiden öffentlichrechtlichen Anstalten in Deutschland. ARD und ZDF blätterten für 24 Livespiele 1,8 Milliarden Schilling auf den Tisch. Und auch in Spanien war Kirch erfolgreich: Der dortige Pay-TV-Anbieter Via Digital überwies etwas mehr als zwei Milliarden an Kirch. Doch ansonsten sieht es für Kirch wenig erfreulich aus: Als Spielverderber erweisen sich nach wie vor die TV-Bosse in Frankreich, Italien und in Großbritannien. Für Kirch (bislang) ein Fiasko.
Freilich schrecken die TV-Stationen auch deshalb vor den hohen Kaufpreisen zurück, weil sich aufgrund der Zeitverschiebung bei der WM im Fernen Osten (sieben Stunden vor der mitteleuropäischen Sommerzeit) nur sehr schwer teure Werbeblöcke verkaufen lassen. Matchbeginnzeiten bei uns: zwischen 7.30 Uhr und 13.30 Uhr!
Die ausführliche Geschichte über den Kampf um die WM lesen Sie im neuen TV-MEDIA!
