Montag, 27. August 2001

Maier hat Platz in den Herzen der Österreicher

Hermann Maier bangt um seine Karriere und ganz Österreich mit ihm. Die Leiden des "Herminators" bewegen die Leute im Land wie die eines guten Freundes. Die Menschen hätten ihm viel Gefühl entgegengebracht, nun sei "ein Heldenbild zerbrochen", erklärte Dr. Stephan Rudas, Leiter des Institutes für psychosoziale Forschung in Wien.

Es werde sicher jede Schritt der Genesung und Rehabilitation aus ehrlicher Anteilnahme der Bevölkerung überwacht werden, so der Experte. Die Liste der österreichischen Spitzensportler, die mindestens einmal schwer verunglückt sind und überlebten, ist lang. Es finden sich Namen wie Niki Lauda, Gerhard Berger, Thomas Muster und Karl Wendlinger. Von einem Fluch zu sprechen sei aber falsch, so Rudas. "Wenn Sportler einen Unfall haben, sind sie nicht anonym, wir erfahren es einfach genauer."

"Die Menschen bringen Spitzensportlern viel Gefühl entgegen", so Rudas. Es sei die seltene Kombination aus Begabung, Trainingsfleiß und eisernem Willen, dass diese Gruppe "zu Recht" bewundert werde. Maier nehme im Herzen Vieler einen großen Platz ein, deshalb auch die persönliche Betroffenheit: "Ein Mensch, der mir sehr nahe steht, ist verletzt."

Bei diesen positiven Helden entstehe der Wunsch der Unverwundbarkeit, erklärte der Psychiater. Diese Sehnsucht nach unverwundbaren Helden gebe es schon seit Menschengedenken. Nun sei es den Fans aber klar geworden, dass auch der "Unverwundbare verwundbar ist". Für viele Menschen sei dies ein Grund, darüber nachzudenken, "wie gefährlich ist das Leben?"

Spitzensportler hätten gelernt, mit der Gefahr umzugehen. Rudas: "Sie haben zu Recht das Gefühl der besseren Kontrolle über die Gefahr, sind aber nicht unverwundbar." Plötzlich, auch ohne eigenes Verschulden, könnten sie vom Helden zum Opfer werden. Durch die Kraft, die sie, wie etwa Thomas Muster, in die Rehabilitation legen, könnten sie ein Vorbild für die Vielen anonymen Verletzten und dauernd Geschädigten werden.

"Maier hat unwiderruflich seinen Platz in den Herzen der Österreicher, unabhängig, ob er wieder Rennen fährt, oder nicht", so Rudas. Es zeichne Maier wie auch andere Spitzensportler aus, dass sie ihren Weg unabhängig von allen Einflüssen gegangen waren. Dadurch, und durch ihre Leistungen, hätten sie "ewigen" Ruhm erlangt. "Wer diese Schwelle einmal überschreitet, dessen Ruhm ist nicht mehr in Gefahr", so Rudas. Andere müssten sich erst mühevoll in diesen Höhen hinaufdienen.

27.8.2001 14:28