Sonntag, 2. September 2001

Erstes Gespräch Peres-Arafat am Freitag in Como

Bei neuen Gefechten in Hebron im Westjordanland hat die israelische Armee zwei angeblich bewaffnete palästinensische Aktivisten getötet. Israels Außenminister Shimon Peres und Palästinenserpräsident Yasser Arafat wollen dennoch am kommenden Freitag im italienischen Como zu einem ersten Gespräch über eine Entspannung im Nahost-Konflikt zusammentreffen.

Nach Angaben der gewöhnlich gut informierten Tageszeitung "Haaretz"soll das Treffen anlässlich einer Tagung stattfinden, für die beide Politiker ihre Teilnahme zugesagt hätten. Der "Chefdiplomat" der EU, Javier Solana, wird danach in dieser Woche in die Region reisen, um das Gespräch vorzubereiten.

Dem Bericht zufolge hat sich Peres mit dem Tagungsort einverstanden erklärt, obwohl Israel einer europäischen Vermittlung in dem Konflikt grundsätzlich skeptisch gegenübersteht. Peres war am vergangenen Freitag in Jerusalem mit dem persönlichen Berater von Ägyptens Präsident Osama el Bas zusammen getroffen. Ägypten ist bereits seit längerer Zeit aktiv an der Vermittlung zwischen Palästinensern und Israelis beteiligt.

Erneutes Aufflammen der Gewalt
Heute Morgen drang die israelische Armee während der Zusammenstöße erneut kurzfristig in ein palästinensisch verwaltetes Viertel der Stadt vor. Die Armee teilte zudem mit, dass bei den Kämpfen ein Soldat und ein achtjähriger Junge verletzt worden sind. Hebron ist nach einer Vereinbarung von 1997 zwischen Israel und den Palästinensern geteilt.

"Die Fatah wird Deinen Tod rächen"
Im Gaza-Streifen wurde am Samstagabend der Büroleiter des palästinensischen Geheimdienstchefs, Tayssir Khatab, beerdigt, der gleichentags bei der Explosion seines Autos ums Leben gekommen war. Tausende von palästinensischen Sicherheitskräften nahmen an der Beerdigung teil. Auf Plakaten hieß es: "Die Fatah wird Deinen Tod rächen". Die Fatah ist die größte Gruppe innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und wird von Arafat geleitet. Geheimdienstchef Taufik el Tirawi sagte, Khatab sei gezielt von Israel getötet worden. Ein hochrangiger politischer Vertreter Israels meinte, sein Land habe kein Interesse an dem Tod des gemäßigten Khatab. Der Anschlag sei vermutlich die Folge eines internen palästinensischen Machtkampfes.

Weiterer Anschlag
Wenige Stunden nach dem Anschlag auf Khatab wurden bei der Explosion in einem Taxi in der Nähe von Tulkarm im Westjordanland eine 22-jährige Palästinenserin getötet und vier weitere Fahrgäste verletzt. Palästinensische Sicherheitsvertreter sagten, die Ursache der Explosion wird untersucht.

Joschka Fischer setzt sich für Treffen Arafat/Peres ein
Im südafrikanischen Durban hatten sich zuvor der deutsche Außenminister Joschka Fischer und sein italienischer Kollege Renato Ruggiero am Rande der UNO-Weltkonferenz gegen Rassismus um ein baldiges Treffen zwischen Arafat und Peres bemüht. Nach einem Gespräch mit Arafat sagte Fischer, das Treffen sei eines der Themen gewesen. "Ich denke, das muss sehr gut vorbereitet werden", sagte Fischer und forderte dazu auf, keine zu hohen Erwartungen an das Treffen zu stellen. Arafat wiederholte in Durban seinen Vorwurf, Israel wende in seinem Kampf gegen den seit elf Monaten anhaltenden Palästinenser-Aufstand "ethnische Säuberungen" an. Bei dem Aufstand sind mehr als 700 Menschen ums Leben gekommen.

2.9.2001 11:12