Verzetnitsch im Fadenkreuz der Kritik

Fette Gagen, präpotente Funktionäre, schlechtes Krisenmanagement: ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch will bei der Urabstimmung mit dem schlechten Image des ÖGB aufräumen. Der Führungsstil des ÖGB-Bosses stößt auf Kritik und könnte die Urabstimmung zu einem Reinfall machen.
Der ÖGB-Chef hat eine katastrophale Vorstellung geliefert, als die Postleraffäre ruchbar wurde, finden Beobachter. Als er in Kanadas Wildnis seine Urlaubszelte aufschlug, hatte er kein amerikataugliches Dreibandhandy dabei und es gab weit und breit keine öffentliche Telefonzelle, was Verzetnitsch daran hinderte fernmündlich in die Krise um die Postgewerkschaft einzugreifen. Solche und ähnliche Dinge passieren ihm oft.
Eine Geschichte voller Verhinderungen
Es war eine Verhinderung, die Verzettnitsch an die ÖGB-Spitze brachte: Metaller und Angestelltengewerkschaft stritten über die Nachfolge des legendären Anton Benya. Der jugendliche, zwischen allen Lagern neutrale Verzetnitsch war der Kompromiss. Es sind Verhinderungen, die ihn regelmäßig in die Schlagzeilen bringen: Das Nein von Metallerchef Rudolf Nürnberger bei der Pensionsreform, das die Neuauflage der rot-schwarzen Koalition verhinderte; die Reform des ÖGB, die die großen Einzelgewerkschaften aus Eigeninteresse verhinderten; der Bau eines Hauses für alle Gewerkschafter, den alle seine Kollegen verhinderten; und jetzt seine urlaubsbedingte Verhinderung und das Versagen seiner Stellvertreterin, welche die Gagenaffäre des Postgewerkschafters Hans-Georg Dörfler erst so richtig zu einer Sache des ÖGB machten. Wenn Verzetnitsch nicht aufpasst, könnte der Erfolg der ÖGB-Urabstimmung ebenfalls verhindert werden. Dann allerdings wird es für ihn persönlich eng. „Wenn an der Urabstimmung nicht mindestens 500.000 Leute teilnehmen, steckt der ÖGB wirklich in der Krise“, analysiert der Politologe Anton Pelinka. Das bedeute nämlich, daß der ehemalige „rote Riese“ nicht einmal mehr imstande sei, seine eigenen Betriebsräte samt Kernklientel zu mobilisieren. Dann brächen alle schwelenden Konflikte auf – und dann, so Pelinka, „ist auch eine Personaldiskussion vorstellbar“.
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