"Melker Abkommen zu Temelin rasch umsetzen"

Der tschechische Präsident Vaclav Havel hofft auf einen rasche Umsetzung des Melker Abkommens zwischen Österreich und Tschechien zum umstrittenen südböhmischen Atomkraftwerk Temelin. Persönlich nehme er allerdings gegenüber dem AKW eine skeptische Haltung ein, weil er gegen Großprojekte bei der Energieversorgung sei, so Havel.
Statt eines Großkraftwerks sollten besser mehrere kleinere Kraftwerke errichtet werden, so Havel. Bei seinem Österreich-Besuch nächsten Donnerstag werde es aber nicht nur um Temelin gehen.
Zu den Benes-Dekreten zur Vertreibung der Sudetendeutschen habe er persönlich ein "kritisches Verhältnis", erklärte Havel. Eine Aufhebung der Dekrete, wie sie etwa von der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich gefordert wird, wäre aber eher ein rechtliches Problem, meinte der Präsident. Die Benes-Dekrete seien Teil von 150 Dekreten, auf die die staatliche Existenz der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut worden war.
Trotz sinkender EU-Begeisterung seiner Landsleute bekennt sich Havel weiterhin zur Einhaltung des Zeitplans für einen baldigen EU-Beitritt. Eine Verschiebung des Beitritts wäre für Tschechien nicht gut, so Havel in einem Interview.
Der tschechische Präsident kommt am kommenden Donnerstag, 6. September, zu einem eintägigen Arbeitsbesuch nach Wien. Er folgt einer Einladung seines Amtskollegen Thomas Klestil. Der Bundespräsident hatte Havel am 20. Dezember des Vorjahres in Prag besucht.
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