Donnerstag, 30. August 2001

Gestohlener Chagall als Geisel

Die Kuratoren am Jüdischen Museum in New York trauten ihren Augen nicht: In einem anonymen Brief erhielten sie die Botschaft: Gebe gestohlenes Chagall-Gemälde zurück - aber nur gegen Frieden im Nahen Osten.

Das Bild von Marc Chagall, eine Ölmalerei auf etwa 20x25 Zentimetern, zeigt einen alten Mann mit einem Stock, der über dem russischen Ort Vitebsk schwebt. Es wurde vor zwei Monaten, im Juni, gestohlen: Es verschwand während einer Cocktail-Party aus dem Museum. "Das Bild wird nicht wieder auftauchen, bevor nicht Frieden im Nahen Osten herrscht!"

Schon einmal wurde ein Bild als Geisel genommen
1994 kam etwas ähnliches in der Norwegischen Nationalgallerie vor: Das weltberühmte Bild "Der Schrei" von Edward Munch wurde damals gestohlen. Die Täter waren Abtreibungsgegner, die so eine Plattform für ihre Meinung finden wollten. "Der Schrei" wurde wieder gefunden.

Im aktuellen Fall steht allerdings zu befürchten, dass die Entscheidungsträger in Israel und Palästina der Kunst keinen ausreichend hohen Stellenwert einräumen. In der derzeitigen Lage kann es noch Jahrzehnte dauern, bis der Chagall an seinen Platz zurück kehrt.

30.8.2001 11:40