Sonntag, 26. August 2001

FORMAT: Harter Job für Nachfolger

Voest-Alpine-Chef Peter Strahammer ist 57jährig bei einem Bergunfall tödlich verunglückt. Die Nachfolger des Parademanagers erwartet ein harter Job: Die Weichen für die Zukunft sind zwar gestellt, aber die Frage neuer Eigentümer ist wieder aktuell.

Strahammer, der von Konkurrenten und Wegbegleitern gleichermaßen als hervorragender und beliebter Manager beschrieben wird, hat Erstaunliches erreicht. Der studierte Jurist führte die ehemalige VA Stahl (seit 1. August heißt sie wieder Voest-Alpine AG) aus der Verstaatlichtenkrise, die 1985 in einem Milliardendebakel gipfelte, brachte das Unternehmen an die Börse und machte es zum profitabelsten Stahlkonzern Europas.

Stärker als bisher wollte Strahammer in Zukunft auf profitable Nischen statt auf die Erzeugung von Massenstahl setzen; organisatorisch wurde der Konzern in vier Divisionen eingeteilt. Neben der Flachstahlproduktion soll vor allem der größte Umsatzbringer, die Zulieferung für die Autoindustrie, weiter entwickelt werden.Voest- Alpine-Aufsichtsratsboß Rudolf Streicher: „Strahammer war ein sehr guter Stratege. Für einen Juristen hatte er ein erstaunliches Gespür für technische Entwicklungen.“ Und, so Streichers Nachsatz in Richtung Zukunft: „Wir werden dafür sorgen, daß jetzt kein Führungsvakuum entsteht.“

Strahammers „Erben“
Als Wunschnachfolger gilt Strahammers langjähriger Vorstandskollege Wolfgang Eder. Der 49jährige Jurist ist der berufliche Ziehsohn Strahammers. Dem „scharfen Denker“ (Bell) wird allseits zugetraut, das Werk Strahammers ohne Bruch fortzusetzen. Ex-Voest- Betriebsratschef Erhard Koppler: „Bei den Mitarbeitern ist Eder genauso beliebt wie Strahammer. Strahammer konnte ihm blindlings vertrauen.“ Eder kommt aber nicht gleich zum Zug. Vorerst nimmt der 59jährige Obersteirer Franz Struzl, derzeit Generaldirektorstellvertreter, interimistisch den Chefsessel ein, um ihn über kurz oder lang für Eder freizumachen.

Eigentümerfrage stellt sich wieder
Auch die Eigentümerfrage wird wieder aktuell. Schließlich gehört die Voest-Alpine immer noch zu 37,8 Prozent der Staatsholding ÖIAG. Und ÖIAG-Aufsichtsratschef Alfred Heinzel hat aus seiner Ambition, möglichst viel Staatsbesitz zu privatisieren, noch nie ein Hehl gemacht. Die Voest-Alpine würde bei einem Verkauf besonders viel Geld abwerfen – ein Faktum, das die Investmentbanker von Morgan Stanley schriftlich in einer Studie festgehalten haben.

Lesen Sie alles zum weiteren Schicksal der Voest-Alpine AG in aktuellen FORMAT!

26.8.2001 14:24