Donnerstag, 23. August 2001

Deutsche ohne Schwung: Nur 1% Wachstum

Nur 1% Wachstum: Das Bundesfinanzministerium hat die jüngsten Daten zur Konjunktur in Deutschland als "Stillstand" interpretiert. Das Nachlassen der Aktivitäten sei aber "auf externe Faktoren zurückzuführen". Gute Zahlen liefert nur der Außenhandel - aber auch der gerät langsam ins Schleudern.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands legte im zweiten Quartal 2001 zum gleichen Vorjahreszeitraum real nur noch um 0,6 Prozent zu. Dies war auf Jahresbasis der niedrigste Anstieg seit dem ersten Quartal 1997 (plus 0,1 Prozent). Laut Statistischem Bundesamt ist die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal gegenüber dem ersten gar nicht mehr gewachsen.

Ständige Verlangsamung
In den ersten drei Monaten 2001 hatte der BIP-Zuwachs auf Jahresbasis - nach inzwischen vom Bundesamt revidierten Zahlen - noch 1,4 Prozent betragen. Im vierten Quartal 2000 1,5 Prozent. Für das erste Halbjahr 2001 ergab sich eine Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Leistung von nur noch 1,0 Prozent.

Die Risiken für die deutsche Konjunkturentwicklung seien "nicht kleiner geworden". Es bestünden aber "Chancen, dass die wirtschaftlichen Auftriebskräfte im weiteren Verlauf dieses Jahres die Oberhand gewinnen", hieß es von Seiten des Finanzministeriums. Wenn die Weltwirtschaft wieder erstarkt, ist wieder mit außenwirtschaftlichen Impulsen zu rechnen. Positiv immerhin: die dämpfenden Auswirkungen der Energiepreissteigerungen allmählich ausklingen dürften. Bei nachlassendem Inflationsdruck könne dann die Wirtschaftsentwicklung erstarken. Banken und Wirtschaftsforscher rechnen für das Gesamtjahr allerdings nur noch mit einem Wachstum zwischen 1,0 und 1,5 Prozent. Die Deutsche Bundesbank erwartet Anfang 2002 neue Wachstumsimpulse aus Übersee. Von einem Anspringen der Konjunktur in den USA werde auch Europa profitieren, glauben ihre Experten.

Zu wenig Investitionen
Grund für die schwache Entwicklung im zweiten Quartal waren vor allem die anhaltende Krise in der deutschen Bauwirtschaft sowie die Investitionszurückhaltung der Unternehmen. Die Ausrüstungsinvestitionen legten nur um 0,5 Prozent zu. Dies war der niedrigste Zuwachs seit Anfang 1996. Unter dem Strich stand bei den Bruttoanlageinvestitionen damit ein Minus von 2,7 Prozent zum Zeitraum April bis Juni 2000.

Die entscheidenden Impulse kamen dagegen einmal mehr von der deutschen Exportwirtschaft. Der reale Außenbeitrag, der sich aus dem Saldo der Ausfuhren und Einfuhren ergibt, trug im 2. Quartal mit 1,0 Prozentpunkten "wesentlich" zum Wachstum bei. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen stiegen im Jahresvergleich um 7,3 Prozent. Im Vorquartal hatte dieser Zuwachs aber noch 8,4 Prozent betragen, Ende 2000 waren es sogar 12,2 Prozent. Die Importe stiegen zugleich 4,7 Prozent.

Konsumenten leiden unter hohen Benzin-Preisen
Auch Privatverbrauch und Konsumverhalten entwickelten sich nachteilig. Als Grund dafür nennen Volkswirte vor allem die drastisch gestiegenen Kraftstoffpreise, die einen Großteil der zusätzlichen Kaufkraft zu Jahresbeginn abschöpften.

23.8.2001 16:48