Donnerstag, 23. August 2001

Auch in Japan Vertriebs-Stopp

Die Bayer AG hat sich "im Interesse der Patientensicherheit" entschieden, das Cholesterin-Medikament "Lipobay" auch in Japan vom Markt zu nehmen. Auch dort wird nun nämlich Gemfibrozil zugelassen, jenes Medikament, das in Verbindung mit Lipobay/Baycol/Cholstat allem Anschein nach schon zu Dutzenden Todesfällen geführt hat.

Der Chemiekonzern Bayer stoppt damit seinen umstrittenen Cholesterinsenker weltweit. Bisher war das asiatische Land von dem Rückzug des Cholesterinsenkers rund um den Globus ausgenommen gewesen.

1.100 Opfer
Von den bedrohlichen Nebenwirkungen, die mit dem Medikament Lipobay der Bayer AG aus Leverkusen in Verbindung gebracht werden, waren deutschen Medienberichten zufolge weit mehr Patienten betroffen, als die bisher bekannte Zahl von 52 Todesfällen vermuten lässt. Weltweit werden rund 1.100 Fälle von Muskelauflösung (Rhabdomyolyse) gemeldet, bei denen der Verdacht eines Zusammenhangs mit der Einnahme von Lipobay besteht. Das geht aus einem Bericht des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hervor, dessen Angaben Bayer am Dienstag bestätigt hat.

Schadenssumme noch offen
Dennoch könnte der Leverkusener Konzern im Hinblick auf Schadensersatz-Klagen nach Auffassung vieler Experten mit einem blauen Auge davonkommen. Allerdings driften die Einschätzungen über die Höhe der Schadenssumme noch weit auseinander. So verweisen dem Bericht zufolge Analysten der Deutschen Bank auf Berechnungen von US-Anwälten, die von zwei bis drei Milliarden US-Dollar Schadensersatz ausgehen.

Vorwürfe der deutschen Regierung
Das deutsche Gesundheitsministerium hat Bayer vorgeworfen, Daten über die Gefährlichkeit des Medikaments über Wochen verheimlicht zu haben. Auch der Verdacht der Bestechung von Ärzten kam auf. Bayer hat beide Anschuldigungen energisch zurück gewiesen. Alle "wesentlichen" Informationen seien übermittelt worden, und die Bestechung sei ein Einzelfall gewesen.

Gegen Bayer und den Mitvertreiber GlaxoSmithKline laufen Sammelklagen in sechs US-Bundesstaaten, außerdem wurden Klagen in Frankreich und Spanien eingebracht. Bisher geht man davon aus, dass 52 Menschen an den Nebenwirkungen von Lipobay gestorben sind. Vor zwei Wochen hatte Bayer das Medikament von allen Märkten, Japan ausgenommen, zurückgezogen.

23.8.2001 16:54