Donnerstag, 23. August 2001

Bei Bergtour tödlich verunglückt

Die Gremien der Voest-Alpine AG beraten in einer außerordentlichen Vorstandssitzung die Zukunft nach dem Unfalltod ihres Vorstandsvorsitzenden Peter Strahammer. Belegschaft, Politik und Wirtschaft äußerten Bestürzung über das Unglück. Der 57-jährige Manager ist beim Bergwandern in Salzburg abgestürzt.

Ein Sprecher betonte, dass das Unternehmen einen funktionierenden Vorstand besitze. In der Aufsichtsratsssitzung soll unter anderem der bisherige Aufgabenbereich von Strahammer auf die übrigen Vorstandsmitglieder aufgeteilt werden.

Daneben gibt es den Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Rudolf Streicher. Streicher würdigte im ORF-Radio den Verstorbenen als einen der effektivsten und wichtigsten Manager Österreichs und außergewöhnlichen Menschen und versicherte, es werde dafür gesorgt werden, dass es im Unternehmen keine "Verunsicherung" gebe. Es sei ein "Markenzeichen" von Strahammer gewesen, dass er sich mit guten Leuten umgeben habe.

Bei Bergwanderung abgestürzt
Strahammer war gegen 6.30 Uhr allein bei Strobl zu der Bergtour rund um die Bleckwand aufgebrochen. Das letzte Lebenszeichen kam ungefähr um 9.30 Uhr: Er rief per Handy seine Ehefrau an, um ihr mitzuteilen, dass die Tour doch länger als erwartet sei und es später werden würde.

Im Bereich der Schartenalm dürfte der VA-Chef vom markierten Weg abgekommen und abgestürzt sein. Als er gegen 15.00 Uhr noch nicht zurück war, schlug seine Frau Alarm. Gegen 19.10 Uhr wurde seine Leiche im steilen Gelände entdeckt. Strahammer hatte tödliche Schädelverletzungen erlitten.

Ein "Voest-Urgestein"
Strahammer galt als "Fossil" der österreichischen Verstaatlichten Industrie. Seine Laufbahn in der Voest-Alpine startete der Jurist im März 1973. Im Laufe der Jahre bekleidete er mehrere hochrangige Voest-Ämter. Zuletzt war Strahammer Vorstandsvorsitzendes der Voest-Alpine AG, vormals VA Stahl AG.

Der Manager schaffte es aus dem schwerfäligen Stahlriesen ein modernes schlagkräftiges Industrieunternehmen zu machen, das 1995 in Zuge der ersten Privatiserungswelle an die Bröse gebracht wurde. Die Aktien der Voest Alpine zählen heute zu den "Blue Chips" der Wiener Börse. Strahammer galt unter den heimischen Spitzenmanagern als eher zurückhaltende Persönlichkeit und wahrte auch immer zur Politik die nötige Distanz.

Manager hinterlässt eine Frau und drei Kinder
Der gebürtige Welser hinterlässt seine Frau und drei Kinder. In einem 1999 veröffentlichten Interview hatte er auf die Frage "Welche persönliche Leistung fehlt noch auf Ihrer Erfolgsliste?" geantwortet: "Die Besteigung des Dachsteins."

Die am Werksgelände aufgehängten Voest-Alpine Fahnen wehen auf Halbmast, zusätzlich wurden schwarze Fahren aufgezogen. Ein Beschäftigter im Werk sagte: "Der Herr Dr. Strahammer war ein Super-Mensch, ein Super-Generaldirektor, uns geht er allen ab". Auch andere Beschäftigte trauern: "Er hinterlässt eine große Lücke" und meinten zur Zukunft: "Hoffentlich kann sein Nachfolger in seine Fußstapfen treten. Es wird schwer werden".

Trauer auch in Wirtschaft und Politik
Politiker aus allen Lagern trauern um den verunglückten VA-Stahl-Manager. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein äußert sich betroffen: "Mein tiefes Mitgefühl gilt vor allem seiner Familie." Auch SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer drückt den Verlust aus: "Peter Strahammers Qualitäten als Manger sind in der schwierigen Stahlkonjunktur der Vergangenheit unverzichtbar gewesen." Nach dem furchtbaren Tod des großen Ökonomen gelte "unser aufrichtiges und tiefes Mitgefühl nun ganz Peter Strahammers Gattin, seinen drei Kindern und sämtlichen Angehörigen."

Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer bezeichnete Strahammer als einen der ganz großen Wirtschaftskapitäne des Landes, der zum heutigen erfolgreichen Zustand des großen Voest-Konzerns und damit zur Sicherung von abertausenden Arbeitplätzen ganz entscheidend beigetragen habe. Für Wiens Bürgermeister Häupl war Strahammer einer der erfolgreichsten Wirtschaftslenker Österreichs. Mit Weitsicht habe er es geschafft, aus einem kaum zukunftsfähigen Stahlkonzern einen der erfolgreichsten Player auf dem Weltmarkt zu formen. Auch Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl verneigt sich vor dem Manager: Mit ihm verliere die Wirtschaftskammer einen wertvollen und impulsgebenden Spitzenfunktionär.

23.8.2001 13:44