Fotografierverbot bei Hauptversammlung

Bei der voraussichtlich letzten Hauptversammlung der Mannesmann AG in Düsseldorf hat die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre ein Verbot von Sonderzahlungen bei künftigen Konzernübernahmen gefordert. Die komplizierten Abläufe beim Vodafone-Deal sorgen bis heute für Verwirrung. Es geht um mehr als eine Milliarde Schilling an Anerkennungs-Prämien, Abfindungen und Pensions-Zahlungen.
Die Kleinaktionäre forderten neuerlich Aufklärung über die Übernahme von Mannesmann durch den britischen Vodafone-Konzern und die dabei angeblich geflossenen Abfindungen in Millionenhöhe. Hintergrund sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen insgesamt zehn frühere Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder von Mannesmann. Die Behörde prüft den Verdacht der Untreue im Zusammenhang mit Abfindungen und Sonderzahlungen von 148 Mill. DM (75,7 Mill. Euro/1,041 Mrd. S). Dadurch könnte den Aktionären Schaden zugefügt worden sein.
Mysteriöse Zahlungen
Die Sonderprämie für Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser von 10 Mill. Pfund wurde nicht von Vodafone, sondern aus den Mannesmann-Kassen bezahlt. Ins Beschluss-Protokoll wurde aufgenommen, dass die Höhe der Prämie "den Arbeitnehmern schwer vermittelbar" sei.
Vodafone streitet ab
Vodafone-Chef Chris Gent hat Vorwürfe unzulässiger Zahlungen an ehemalige Mannesmann-Manager zurückgewiesen. Bei der Übernahme des deutschen Konzerns hätten weder er selbst noch einer seiner Mitarbeiter einem Mannesmann-Angestellten "finanzielle Angebote oder Anreize" unterbreitet. Vodafone habe aber das Versprechen von Mannesmann, Zahlungen an Manager zu leisten, eingehalten. Die Abfindungen seien in Übereinstimmung mit den deutschen Gesetzen und den Statuten von Mannesmann erfolgt.
Undurchsichtige Geschäfte
Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens haben vorgeschlagen, die Entlastung von Vertretern der Führungsgremien um ein Jahr zu verschieben, bis die Staatsanwaltschaft den Transaktions-Dschungel entwirrt. Dieser Vorschlag brachte die Aktionäre noch mehr auf die Palme: Wenn alles "so wunderbar und unbedenklich" gewesen sei wie von Gent dargestellt, "warum wollen Sie dann die Entlastung der Aufsichtsratsmitglieder verschieben?"
Gewaltige Mehrheit
Vodafone hält mehr als 99,5 Prozent der Aktien an Mannesmann und kann daher mit seiner Mehrheit die Hauptversammlung dominieren. Etwaige Gegenanträge der außenstehenden Aktionäre kann der britische Konzern abschmettern.
Emotionen schlagen hoch
Die Stimmung auf der Hauptversammlung von Mannesmann schwankte zwischen Niedergeschlagenheit und unverhohlener Aggressivität. "Vodafone muss ein vitales Interesse daran haben, die Vorwürfe aufzuklären", mahnte Jörg Pluta von der Deutschen Schutzvereingung für Wertpapierbesitz bei dem Aktionärstreffen am Mittwoch in Düsseldorf. Einem Kleinaktionär platze der Kragen: "Wir haben es hier wirklich zu tun mit Plünderern in Nadelstreifen."

