Vorher teurer oder nachher Verluste

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Tipps für die Umstellung
Die Euro-Bargeldumstellung mit 1. Jänner 2002 bringt Probleme für den Lebensmittelhandel: So genannte Schwellenpreise (,90) in den Supermärkten gehen verloren. Wirtschaftsforscher rechnen mit Verteuerungen vor der Umstellung, damit bei der Umrechnung "schöne" Preise entstehen. Die Arbeiterkammer prangert Preissünder an, die Wirtschaftskammer wiegelt ab: "Groscherlfuchserei".
Die AK Salzburg warnt, dass runde, glatte Europreise auf Speisekarten und Preisschildern generell ein Indiz für eine vorangegangene Preiserhöhung seien. Obwohl Preisvergleiche durch gerechtfertigte Preiserhöhungen bei Lebensmitteln erschwert werden, steht für die AK fest, dass Letztverkäufer, Lieferanten und Hersteller die Euro-Umstellung für Erhöhungen ausgenutzt haben. Laut einer Untersuchung in 12 Salzburger Gastronomiebetrieben sind Getränkepreise innerhalb eines Jahres trotz Steuererleichterungen um 5,1 Prozent gestiegen.
Wirtschaftskammer beruhigt
Der Vizepräsident der Wirtschaftskammer, Rene Alfons Haiden, beruhigt: "Wenn jemand die Preise zwei oder drei Prozent anhebt, wird sich niemand aufregen." Er glaubt, dass sich "99,8%" der Betriebe "fair" verhalten werden. In einer ersten Reaktion auf die Arbeiterkammer-Vorwürfe hatte die Wirtschaftskammer die Sorgen gestern als "Groscherlfuchserei" bezeichnet.
Umrechnungs-Studie
In einer Studie wurden die 10 wichtigsten Preise in den Supermärkten, mit denen etwa die Hälfte der Einkäufe getätigt werden können, genau umgerechnet. Der mit Abstand häufigste Preis (jedes 11. Produkt) im Lebensmittelhandel ist 9,90 S ergibt bei der korrekten Umrechnung 0,72 Euro. Sollte ein Lebensmittelhändler nun auf den nächsten Schwellenpreis von 0,69 "abrunden" - aufrunden ist in der zweiten Kommastelle gesetzlich verboten - bringt das eine Preissenkung um 4,1 Prozent. Bei der Umrechnung von 5,90 S beträgt der Verlust zwischen 0,43 Euro und dem nächst-tieferen Schwellenpreis von 0,39 sogar 9 Prozent.
USA: zweite Kommastelle auf 9, 0 oder 5
Kein einziger der 10 häufigsten Preise endet bei der Euro-Umrechnung in der zweiten Kommastelle mit Neun. In den USA kosten 67 Prozent aller Produkte im Lebensmittelhandel Beträge mit der Ziffer Neun an der zweiten Stelle hinter dem Komma. Nur in vier Fällen wäre bei der Euro-Umrechnung der 10 wichtigsten Preise keine Veränderung notwendig: 2 Preise enden in der zweiten Kommastelle mit Null (6,90 S = 0,50 Euro bwz. 17,90 S = 1,30 Euro), weitere 2 Preise mit Fünf (19,90 S = 1,45 Euro bzw. 8,90 S = 0,65 Euro).
Marktforscher rechnen daher mit Preiserhöhungen, die im Laufe des nächsten Jahres wieder zurückgenommen werden könnten.

