Dienstag, 21. August 2001

Wien im dritten Wahlgang out

Nicht Wien, sondern Montreal hat am Dienstag den Sitz für die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) erhalten. Dies entschied das so genannte "Foundationboard", das sich paritätisch aus Vertretern des olympischen Sports sowie staatlicher und zwischenstaatlicher Organisationen wie der EU zusammensetzt, auf seiner Sitzung in Tallinn. Die frankokanadische Stadt konnte sich erst im vierten Wahlgang durchsetzen.

Österreichs Bundeshauptstadt Wien, die im Vorfeld von der zuständigen Prüfungskommission die beste Bewertung aller fünf Bewerber erhalten hatte, war erst im dritten und vorletzten Wahlgang ausgeschieden. Bisher war die "Hauptstadt" des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Lausanne, die als Topfavorit im "Finale" mit 15:17 Stimmen gegen Montreal den Kürzeren zog, seit der WADA-Gründung im November 1999 provisorischer Sitz der Agentur gewesen. Bonn und Stockholm, die schlechte Bewertungen erhalten hatten, waren erwartungsgemäß in der ersten bzw. zweiten Runde ausgeschieden.

Zweitbeste Variante
"Man hat sich für die zweitbeste Variante entschieden, wohl weil die Distanz zwischen Wien und dem IOC-Sitz zu gering war. Die außereuropäischen Stimmberechtigten wollten unbedingt verhindert, dass Lausanne den Zuschlag erhält, um die weltweite Tätigkeit und Unabhängigkeit der WADA zu unterstreichen", erklärte Erich Irschik, Österreichs höchster Ministeriumsbeamter in Sachen Sport, gegenüber der APA.

Eupas Position geschwächt
Wiens Niederlage sei aber laut Irschik bereits im Vorfeld besiegelt worden. "Bonn und Stockholm hätten nach den schlechten Bewertungen ihre Kandidaturen zurückziehen sollen. Wenn wir der einzige Kandidat der Europäischen Union gewesen wären, hätten die Vertreter der EU, die fast die Hälfte der staatlichen Unterstützungsgelder für die WADA aufbringt, mehr Druck für Wien machen können. Die für den Sport zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding hat sich jedenfalls ganz entschieden für Wien ausgesprochen. Doch dadurch, dass Bonn und Stockholm auf ihren Kandidaturen beharrt haben, ist Europas Position bei den anderen Kontinentalvertretern geschwächt worden. Außerdem hat Montreal mit umgerechnet mehr als 100 Millionen Schilling finanzieller Unterstützung für die ersten zehn Jahre das weitaus beste Angebot, das damit doppelt so hoch wie unseres war, gelegt."

Trotzdem "Riesenerfolg"
Trotzdem dürfe sich Wien auch nach Platz drei über einen "Riesenerfolg" freuen. "Wir waren der Kandidat der EU und haben von der Qualität her aufgezeigt, dass wir es können. Das war unheimlich wichtig für unsere Position im Sport innerhalb der EU", betonte Irschik, der nun hofft, dass Österreich mit Dopingjäger Karl-Heinz Demel und Leistungsdiagnostiker Hans Holdhaus, Vorstand des Instituts für medizinische und sportwissenschaftliche Betreuung (IMSB) in der Südstadt, führende Repräsentanten in der WADA erhält.

Seibersdorf wird wesentliche Rolle spielen
Daneben soll auch das Labor in Seibersdorf, das aller Voraussicht nach mit 1. Jänner 2002 die offizielle IOC-Akkreditierung erhalten wird, bei den Aktivitäten der WADA, die ein umfassendes Anti-Doping-Programm auf internationalem Niveau koordinieren soll und allgemeingültige Standards im Bereich der Kontrolleinrichtungen und der Durchführung der Dopingtests sowie der Disziplinarverfahren und Sanktionen anstrebt, eine wesentliche Rolle spielen.

WADA-Projekte von EU finanziert
Im Vorfeld der Abstimmung war zwischen Reding und Pound ein Vertrag über drei WADA-Projekte unterzeichnet worden, die von der EU mit zwei Millionen Euro (27,5 Mio. S) finanziert werden. Wie die WADA mitteilte, fördert die EU ein Bildungsprogramm im Internet mit einer Million Euro. 700.000 Euro (9,63 Mio. S) werden für ein Programm unabhängiger Beobachter bei internationalen Sport-Veranstaltungen zur Verfügung gestellt. Und 300.000 Euro (4,13 Mio. S) sollen in die Verbreitung der Athleten-Pässe fließen, mit denen die Sportler alle notwendigen Informationen zu ihren Doping-Testprogrammen nachweisen müssen.

21.8.2001 14:53