Samstag, 25. August 2001

Alexander Van der Bellen im Sommergespräch

Alexander Van der Bellen, Grünen-Chef, über Blau-Schwarz, potentielle Koalitionspartner, die Lehren aus den Regierungseinstiegen von FPÖ und seinen deutschen Kollegen.

FORMAT: Herr Professor, Halbzeit der blauschwarzen Wende. Für die Grünen müßte eine konservativ-reaktionäre Politik doch die ideale Voraussetzung für erfolgreiche Oppositionsarbeit sein. Warum geht nichts weiter?
Van der Bellen: Ein klarer Gegner bietet sicher Vorteile. Das ändert aber nichts daran, daß ich mir nicht wünsche, daß Blau- Schwarz 2003 überlebt. Uns geht es gut: Die Grünen, die immer als Partei der Ballungszentren gegolten haben, erobern das flache Land, haben den in alle Landtage außer in Kärnten geschafft. Auf Bundesebene liegen wir der Regierungsbeteiligung der FPÖ den Umfragen konstant zweistellig.

FORMAT: Schrillen nicht die Alarmglocken, wenn aus Belastungspaketen, Sozialabbau und Pannen in Serie nicht mehr politisches Kapital geschlagen werden kann?
Van der Bellen: Ein Zuwachs von acht auf 12,5 Prozent bei der Wiener Wahl ist nicht das Wahldesaster, das Sie mir einreden wollen. Wenn wir fünfzig Prozent Zuwächse bei den Wahlen halten, dann ist das kein schlechtes Resultat. Ich weigere mich, in höherfliegende Träume einzusteigen.

FORMAT: Warum gelingt es nicht, Rot-Grün als wählbare Alternative zu Blau-Schwarz aufzubauen? Bei der Koalitionsfrage ist Blau-Schwarz mit 39 Prozent derzeit die beliebteste Regierungsform, Rot-Grün bringt es nur auf 29 Prozent.
Van der Bellen: Diese Umfragen bestreite ich rigoros. Gewählt werden nicht Koalitionen, sondern Parteien, und da liegen Rot und Grün gemeinsam einmal knapp über, einmal knapp unter fünfzig Prozent, korrespondierend zu Blau und Schwarz. Das einzige, was man aus der Koalitionsfrage herauslesen kann, ist, daß selbst heute noch jeder vierte Wähler von FPÖ und ÖVP die blau-schwarze Koalition ablehnt. Das ist doch erschütternd. Daß Rot-Grün noch nicht beliebter ist, liegt an den fehlenden Regierungsbeispielen. Der politische Gegner versucht ja ständig rot-grünes Chaos an die Wand zu malen. Das haben sie in Wien auch schon probiert. Mit welchem Erfolg?

FORMAT: Daß nicht Rot-Grün gekommen ist, sondern eine Absolute für die SPÖ, die keiner mehr für möglich gehalten hatte.
Van der Bellen: Aber auch mit dem besten Wahlergebnis der Grünen in ihrer Geschichte.

FORMAT: Meinungsforscher analysieren, daß die grüne One-Man-Show Alexander Van der Bellen bröckelt, Sie nicht mehr alle Widersprüche zudecken können. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?
Van der Bellen: Ich finde das positiv. Diese Außenwahrnehmung habe ich nie geteilt, die war immer verkehrt. Ich freue mich, wenn jene, die schon bisher mitgearbeitet haben, künftig auch öffentlich mehr wahrgenommen werden.

Das komplette Interview lesen Sie im aktuellen FORMAT.

25.8.2001 19:06