TV-Interview des Politikers wurde zum Quotenknüller

In der Affäre um die verschwundene Praktikantin Chandra Levy hat der US-Abgeordnete Gary Condit die Flucht nach vorn angetreten. Er gab ein TV-Interview, auf das es vor allem empörte und skeptische Reaktionen gegeben hat. Die Eltern Levys waren "fassungslos und empört" über das Interview. Condit bestritt, etwas mit dem Verschwinden Levys zu tun zu haben.
Mitbürger des Abgeordneten der Demokratischen Partei fanden ihn Blitzumfragen zufolge "überwiegend wenig überzeugend". Sie beschrieben Condits Darstellung als "unlogisch und ausweichend". Die Polizei in Washington reagierte mit Unverständnis auf seine Aussage, er habe sich in Verhören von Anfang an kooperativ verhalten und offen über seine Beziehung zu Levy ausgesagt.
Das Interview mit der ABC-Reporterin Conny Chung war auch am Freitag noch Top-Thema aller US-Medien. Fernsehsender und Zeitungen berichten seit dem Frühjahr fast täglich über den Fall.
"Wir waren sehr eng befreundet."
Er habe die 24-jährige im Oktober vergangenen Jahres kennen gelernt, sagte Condit. "Wir waren sehr eng befreundet." Aus Respekt für seine eigene und die Levy-Familie wolle er jedoch keine Einzelheiten nennen. "Ich habe ein Recht auf eine Privatsphäre," betonte er. Auf Kritik, er habe bei den Polizeiermittlungen bisher nicht ausreichend kooperiert, sagte Condit: "Es gibt niemand, der kooperativer war als ich." Er habe der Polizei sämtliche Fragen beantwortet.
Verschwunden seit Ende April
Die Praktikantin aus dem Wahlkreis Condits ist seit Ende April spurlos verschwunden. Sie wurde zuletzt in der Nähe ihrer Wohnung in Washington gesehen, wo sie ein Praktikum bei der Gefängnisbehörde absolvierte. Die Polizei hat bisher keine Spur der 24-Jährigen gefunden. Condit war vier Mal von der Polizei befragt worden. Erst im dritten Gespräch soll der Demokrat eine intime Beziehung zu der jungen Frau zugegeben haben, verlautete aus Polizeikreisen. Der Abgeordnete sei kein Verdächtiger, betonte die Polizei. Es gebe bislang keinerlei Anzeichen einer Straftat.
Condit, seit fast vier Monaten von Kameras und Mikrofonen verfolgt, hatte bisher geschwiegen. Anfang der Woche kündigten seine Rechtsanwälte eine Medienoffensive an. Nach dem Fernsehinterview wollte er sich auch in Interviews mehrerer Zeitschriften äußern. Er verschickte zudem Briefe an die 200 000 Einwohner seines Wahlkreises. "Sie wissen, dass ich hart arbeite und sehr an diesem Wahlkreis und meiner Familie hänge", schrieb Condit. "Ich hoffe, Sie verstehen, dass ich nicht perfekt sein kann und meinen Anteil an Fehlern gemacht habe." Er habe sich nicht früher geäußert, weil er seine Privatsphäre habe schützen wollen. Condits Mitarbeiter deuteten an, dass der Abgeordnete sich im nächsten Jahr zur Wiederwahl stellen will.
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