Freitag, 24. August 2001

Ex-Vorsitzender der ÖH-Graz: "Bin unschuldig"

Weitet sich der Uni-Finanzskandal aus? Die Hochschülerschaft will jetzt österreichweit die Finanzen der ÖH-Vertretungen prüfen. Zum 1,2 Millionen-Schwund in Graz meldete sich die ehemaligen Führungsspitze zu Wort. Sebastian Berka: "Ich bin absolut unschuldig."

Die Affäre rund um die Grazer ÖH wird österreichweite Konsequenzen haben: Anita Weinberger, Bundesvorsitzende der ÖH: "Wir werden jedes Budget überprüfen, das ist auch im Interesse der Studierenden." Es gebe Hinweise, dass es auch bei anderen ÖH-Vertretungen zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei. Details nannte Weinberger nicht. "Das Ganze ist ja eine heikle Sache". Es ginge um "viel Geld". Ihr selbst läge dran, das Vertrauen zu den Studenten wieder her zu stellen.

ÖH-Graz: So verschwanden 1,2 Millionen Schilling
Exquisites Essen, teure Reisen, Mietautos und "andere unübliche Anschaffungen" wie Schuhe oder Geldbörseln - dafür sollen Hunderttausende Schilling ausgegeben worden sein, sagt die stellvertretende ÖH-Vorsitzende Vanessa Schreiner vom Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ). Die 1,2 Millionen Schilling sind die Mitgliedsbeiträge von rund 7.000 Studenten. Verpulvert haben sollen das Geld die Funktionäre der VP-nahen Aktionsgemeinschaft und des Ringes freiheitlicher Studenten.

Ex-Vorsitzender: "Ich empfinde mich als absolut unschuldig."
"Ich habe weder etwas veruntreut noch etwas eingesteckt noch Gelder missbräuchlich verwendet": So reagierte der unter Beschuss geratene Ex-Vorsitzende der Grazer ÖH, Sebastian Berka. Er könne sich "nicht erklären", woher die Vorwürfe stammten. Von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft will Berka auch nicht informiert sein: "Bei mir hat sich niemand gemeldet."

Berka: Er habe während seiner Amtszeit pro Monat 4.000 Schilling Aufwandsentschädigung bekommen habe. "Und das bei einer 40 bis 60 Stunden-Woche. Das ist nichts, wofür ich mich schämen müsste." Während der Jahre 1999 bis 2000 habe er "knapp über 20.000 Schilling Spesen" in Rechnung gestellt, "da waren alle Wien-Fahrten auch dabei". Woher die detaillierten Posten - von Weinverkostungen über die Anschaffung von teurer Bekleidung bis über Strafmandaten - stammten, kann sich Berka eigenen Angaben zufolge nicht vorstellen: "Das wundert mich einstweilen auch noch".

Was etwa im Detail eine Geldbörse betrifft, könne er sich "daran erinnern, dass einmal ein 'Bauchtresor' für den Finanzreferenten gekauft wurde, der das gebraucht hat". Er müsse sich "in Ruhe anschauen", um welche Vorwürfe es im Detail gehe, so Berka. Er brauche "Zeit" und werde in der nächsten Woche öffentlich zu den Vorwürfen Stellung nehmen. "Ich will nichts vertuschen", so der Ex-Vorsitzende.

Ring Freiheitlicher Studenten: "Haben nichts gewusst"
Der mit der ÖVP-nahen "Aktionsgemeinschaft" verbunden gewesene Grazer Obmann des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS), Gernot Katzenberger, gab am Freitag bekannt, er habe von den "dubiosen Finanz-Vorgängen nichts gewusst". Während der Koalition sei der RFS "von einem Einblick in die Finanzen ausgeschlossen gewesen". Der RFS habe "nicht einmal einen Sitz im Finanzausschuss der ÖH inne gehabt". Der RFS-Mann meinte darüber hinaus, dass sich die anonyme Anzeige wegen Untreue "ausschließlich gegen Mitglieder der AG" beziehe, wodurch "dieser Skandal einzig und allein ein Problem der AG" sei.

Einen Teil des Schadens - 700.000 Schilling - hätten die Altfunktionäre mittlerweile gut gemacht. Den Rest wolle sich die neue ÖH-Führung - wenn es sein muss - vor Gericht zurückholen. Immerhin sind diese 1,2 Millionen 20 Prozent des Gesamtbudgets.

Die Vorwürfe seien allerdings "unterschiedlicher Natur", hieß es: Zu differenzieren sei zwischen "belegbaren Fällen und Grauzonen". Schreiner selbst und ein weiterer ÖH-Vertreter meinen, "beweisbar wären 35 Prozent der Vorwürfe. 65 Prozent befinden sich in einer Grauzone, was quasi 'anständig' für eine Hochschülerschaft sei". Das sei auch der Grund, wieso die amtierende neue Ampelkoalition (Grüne, VSSTÖ und Fachschaftsliste) den Weg zum Gericht nach Möglichkeit vermeiden wolle.

24.8.2001 13:33