Montag, 20. August 2001

Im Visier: Riess-Passer und Ferrero-Waldner

Die Mitglieder der "VolxTheaterKarawane" - die nach dem G-8-Gipfel in Genua 3 Wochen in U-Haft waren - lassen von ihrem Anwalt verschiedene Klagen prüfen. Im Visier u.a. Vizekanzlerin Riess-Passer, Außenministerin Ferrero-Waldner und die italienische Polizei.

Außenministerin Ferrero-Waldner wird Amtsmissbrauch vorgeworfen, da sie polizeiliche Vormerkungen bekannt gemacht hatte. Eine medienrechtliche Klagen wird gegen Vizekanzlerin Riess-Passer geprüft. Sie soll in einem Interview die Aktivisten vorverurteilt haben.

Der Polizei in Genua wird Körperverletzung vorgeworfen und die italienische Justiz soll Dolmetscher bereitgestellt haben, die kaum Deutsch sprachen.

Dem österreichische Konsul in Mailand, Manfred Moritsch, werfen die Freigelassenen vor, dass er sich über Misshandlungsberichte "lächerlich gemacht" habe.

Distanz gegen Ausschreitungen
"Wir haben anlässlich des G8-Treffens in Genua theatrale Aktionen durchgeführt, an Demonstrationen teilgenommen, Medienarbeit geleistet und Dokumentationen gemacht", betonten die Theaterleute. Mit den Ausschreitungen in Italien habe die Gruppe nichts zu tun gehabt, wurde betont.

Statisten eines Sommertheaters
Die Haft beschrieben die Aktivisten als "systematische Tortur" und "Psychoterror", es habe "Misshandlungen und sexuelle Belästigungen" gegeben. In Österreich sei die Karawane "zu Statisten eines nationalen Sommertheaters geworden, in dessen Mittelpunkt eine grinsende Außenministerin und ein cooler Innenminister standen", so die Sprecher der Gruppe. "Und es endete mit einer demütigenden Deportation an die Grenze."

Schläge und Drohungen
Eine junge Frau aus Schweden, Teilnehmerin an der Karawane, berichtete von Schlägen und Drohungen in der Haft. "Eine einfache Frage, wie über den Grund, warum wir eigentlich festgehalten werden, führte zu einem blauen Auge", schilderte sie. Wenn Frauen auf die Toilette wollten, hätten sie sich nackt ausziehen müssen.

Außerdem hätten ihnen Mitglieder der italienischen Exekutive "Sieg Heil" und "Viva Mussolini" entgegen geschrien. "Wir sind Nazis und wir töten Leute wie euch", habe ein Beamter gesagt.

Konsul-Besuch erst nach fünf Tagen
Besuch vom Konsul habe die Karawane erst nach fünf Tagen bekommen, lautete ein Vorwurf an Moritsch. Die Frauen seien von dem Vertreter Österreichs "verarscht" worden, so eine Aktivistin. "Er hat sich für Verletzungen nicht interessiert." Eine Angehörige des Konsulats habe zu den Inhaftierten gemeint, sie sollen froh sein, nicht in der Türkei eingesperrt zu sein.

Die Theaterleute traten bei dem Mediengespräch weiß geschminkt auf. "Wir sind gesichtslos, weil allen passieren kann, was der VolxTheaterKarawane widerfahren ist", lautet die Erklärung.

20.8.2001 15:11