SPEZIAL: POST-STREIT

·Rückzieher
Post verzichtet auf 21 Beförderungen
·Kein Rücktritt
Vorstand: "Keine Fehler gemacht"
Manfred Wiedner wehrt sich gegen die Vorwürfe: Der Postgewerkschafter will nun gewerkschaftliche Maßnahmen gegen die Sparpläne der Post. "Darüber soll Anfang September im Präsidium der Postgewerkschaft beraten werden." Auch wenn Wiedner das Wort Streik nicht gerne in den Mund nimmt, sagt er: "Wenn nichts anderes hilft, wird man darüber nachdenken müssen..."
Einen Zusammenhang dieser Forderung mit der Diskussion um die Gehälter der Post-Personalvertreter wies der Mann von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter zurück: Er habe im Aufsichtsrat immer gegen derartige Pläne gestimmt.
Zur Frage, welche Maßnahmen konkret möglich seien, sagte Wiedner: "Wir haben personalvertretungsmäßig und gewerkschaftsmäßig einige Handhabe und ich bin nicht der, der das Wort Streik gerne und schnell in den Mund nimmt. Aber wenn alles andere nichts hilft, dann wird man auch darüber nachdenken müssen." Dass in der Sitzung Taten gesetzt werden müssten, sei jedenfalls eine "Selbstverständlichkeit". Wiedner forderte auch Infrastrukturministerin Monika Forstinger auf, rasch die Universladienstverordnung zu erlassen.
Der Christ-Gewerkschafter betonte neuerlich, dass er für sich persönlich keinen Grund zu Konsequenzen aus der Gehaltsdebatte sehe. Sein Gehalt nach dem neuen Schema liege bei 25.500 Schilling netto und damit um 2.000 S unter dem früheren. "Ich bin mir keiner Schuld bewusst, auch nur irgend etwas gemacht zu haben, das nicht rechtskonform wäre." Und zum kolportierten künftigen Gehaltssprung: "Wahr ist, dass unser Bezugssystem sehr altersabhängig ist."
Insgesamt wehrte er sich gegen die Vorwürfe: Er arbeite 14 bis 16 Stunden am Tag für die Kollegenschaft, habe auch an Wochenende kaum Freizeit, habe sich mit seiner Fraktion schon immer gegen die Schließung von Postämtern eingesetzt - "und letztendlich wird man dargestellt, als ob man irgendein Schmarotzer wäre".
"Dummheit" und "Selbstfaller"
Politologe Anton Pelinka spricht von einer "Dummheit" und einem "Selbstfaller" seitens der Postgewerkschaft. Den ÖGB forderte er auf, sich nun klar von der Postgewerkschaft zu distanzieren. Negative Auswirkungen auf die geplante Urabstimmung des ÖGB im Herbst seien sonst zu befürchten.
Hier sei ein altes Muster aus der Vergangenheit zum Einsatz gekommen, meint Pelinka. Doch man sei nicht mehr in der Nachkriegszeit und das hätten auch die Personalvertreter der Post wissen müssen. "Sie haben so gehandelt, wie es vor 20 Jahren auch nicht gut, aber funktional gewesen wäre - heute ist das eine Dummheit."
Hat der ÖGB Zeichen der Zeit erkannt?
Seitens des ÖGB müsse nun jemand deutlich klar stellen, dass nicht der gesamte ÖGB, sondern nur Teilgewerkschaften die Zeichen der Zeit nicht erkannt hätten, so Pelinka. Früher sei es üblich gewesen, dass Personalvertreter im Zug des Aushandels von Kompromissen in Vorstandspositionen gehoben worden seien. Hier handle es sich aber um keinen Kompromiss, der allen etwas bringe. Man befinde sich vielmehr in einer Situation, die die meisten Angestellten der Post als Bedrohung ansehen würden.
Urabstimmung ist "größere Hürde" für ÖGB
Hinsichtlich der vom ÖGB geplanten Urabstimmung habe der Gewerkschaftsbund nun eine "größere Hürde" vor sich, meint Pelinka. Es müssten sicher "größere Anstrengungen" unternommen werden. Die Frage werde vor allem sein, wie viele Mitglieder der ÖGB zum Urnengang mobilisieren werde können. "Der ÖGB muss sich von den Vorfällen distanzieren - dann hat er noch eine Chance", so die Einschätzung Pelinkas.
Gagenaffäre auch bei Telekom
Einen ungewöhnlichen Karriereweg hat laut einem Bericht der Zeitschrift "News" der Vorsitzende des Telekom-Zentralausschusses, Erich Huhndorf, hinter sich. Huhndorf war per 1. Oktober 2000 in den Vorruhestand gewechselt, wenige Monate später - am 2. Mai 2001 - allerdings zum Zentralausschuss-Vorsitzenden gewählt worden.
Für Huhndorf ist seine Rückkehr aus dem Vorruhestand durchaus gesetzeskonform. Gegenüber "News" meint er, dies sei "nur insofern verwerflich, als ich während meines Vorruhestandes täglich von 7 bis 22 Uhr im Büro war und um 20 Prozent weniger Vorruhestandsentgelt gehabt habe". Den Posten des Zentralausschuss-Vorsitzenden habe er angetreten, weil sein Vorgänger gesundheitliche Probleme hatte, so Huhndorf.
Schiefe Optik: Post-Gehälter
Ausgelöst wurde die ganze Affäre durch einen Vertrag, den die Spitzen der Post-Personalvertretung und die Post-Vorstände Anton Wais und Rudolf Jettmar ausgehandelt haben. Darin enthalten: Gehaltserhöhungen der Personalvertreter der Post.
Unterschrieben wurde das umstrittene Dokument bereits im Mai dieses Jahres. Vom mittlerweile zurückgetretenen obersten Post-Personalvertreter Georg Dörfler und seinem Vize Manfred Wiedner. Dörfler und Wiedner verfügen zudem über je einen Dienstwagen mit Chauffeur. Angesprochen auf den Vorwurf, dass er auf Dienstwagen und Chauffeur angewiesen sei, bestätigt Wiedner im NEWS-Interview, dass es ein Verfahren im Zusammenhang mit seinem Führerschein gegeben habe. Allerdings verfüge er jetzt über einen gültigen Führerschein.
Zudem veröffentlicht NEWS erstmals die Liste jener zwanzig Post-Personalvertreter, die von der umstrittenen Neuregelung der Bezüge profitiert hätten.
Die ausführliche Story lesen sie im neuen NEWS.
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