Montag, 20. August 2001

Hohe Strafen für christliche Missionierung

Nach ihrem Nein zu Kontakten mit den gefangenen Helfern von "Shelter Now" haben die Taliban noch eins draufgesetzt. Bei einer Militärparade in Kabul wurden Transparente gezeigt, auf denen unter anderem zu lesen war, Afghanistan sei für Eindringlinge ein "Friedhof".

In einer verlesenen Botschaft des geheimnisumwitterten Taliban-Führers Mullah Mohammed Omar wurde nicht mit deutlichen Worten gespart: "Wir haben in der Vergangenheit äußerem Druck widerstanden und werden dies auch in Zukunft tun."

Während der Militärparade schlugen Raketen in der Nähe des Flughafens ein, die möglicherweise von Soldaten der weniger radikalen islamistischen Nord-Allianz abgeschossen worden waren.

Keine Visa-Verlängerung für westliche Diplomaten
Am Samstag war bekannt geworden, dass die Taliban die Visa für die westlichen Diplomaten, die die inhaftierten Ausländer besuchen möchten, auf keinen Fall verlängern wollen. "Es gibt keine Notwendigkeit, die Visa zu verlängern", sagte der afghanische Außenminister Wakil Ahmed Mutawakil. Niemandem werde erlaubt, die Gefangenen zu sehen, solange die Untersuchungen noch im Gange seien. Die Visa der Unterhändler laufen am Dienstag ab.

Bereits am Freitag war den Diplomaten aus Deutschland, den USA und Australien erklärt worden, sie sollten in das benachbarte Pakistan zurückkehren und das Ergebnis der Ermittlungen gegen die acht Helfer der deutschen Organisation "Shelter Now" abwarten. Den Festgenommenen – vier Deutsche, zwei Australier, zwei US-Bürger – wird christliche Missionierung vorgeworfen.

Mutawakil sagte, die drei Diplomaten hätten die Visa für den speziellen Zweck erhalten, mit Taliban-Regierungsvertretern zu sprechen. "Diese Mission ist nun abgeschlossen." Den Diplomaten wurde gesagt: "Sie sollten sich jetzt in Geduld üben und auf den Abschluss der Untersuchungen warten."

20.8.2001 07:49