SPEZIAL: 10 JAHRE ZERFALL DER SOWJETUNION

·Sündenbock
Gorbatschow nur im Ausland ein Held
·Überblick
Die früheren Sowjetrepubliken
Am 19. August jährte sich zum 10. Mal der Jahrestag des gescheiterten Putsches gegen den letzten sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow. Heute, Mittwoch, jährt sich nun der russische Truppenabzug aus den baltischen Staaten zum 10. Mal.
Am 22. August 1991, dem Tag der Rückkehr in sein Amt, entschied Präsident Gorbatschow, die russischen Truppen aus den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen zurückzuziehen. Er ließ die abtrünnigen Sowjetrepubliken ziehen und besiegelte damit den Beginn des Zerfalls der UdSSR.
Nur drei Tage zuvor: Kommunisten putschen gegen Gorbatschow
Während Gorbatschow auf der Krim Urlaub machte, meldete die amtliche Nachrichtenagentur TASS, der Staatschef ist krank und muss sein Amt niederlegen. Ein "Notstandskomitee" aus Alt-Kommunisten übernahm die Macht, Gorbatschows Vizepräsident Gennadij Janajew wurde Interimspräsident.
Der Putsch scheiterte jedoch am Widerstand von Gorbatschows damaligem Widersacher Boris Jelzin und Zehntausenden Demonstranten. Am 22. August kehrte der Kreml-Chef nach Moskau zurück. Inzwischen sind die Putschisten wieder auf freiem Fuß und dürfen ungehindert behaupten, dass sie nichts bereuen. Dagegen gilt Gorbatschow bis heute bei seinen Landsleuten als Hauptverantwortlicher für die desolate Lage seines Landes.
"Hätte Jelzin in Bananenrepublik schicken sollen"
Jelzin hatte Gorbatschow nach dem fehlgeschlagenen Putsch der Altkommunisten im August 1991 zum Rücktritt als Generalsekretär der Kommunistischen Partei gezwungen. "Ich hätte ihn vorher als Botschafter in irgendeine Bananenrepublik schicken sollen", sagte Gorbatschow.
Die Putschisten um den damaligen Vizepräsidenten Gennadi Janajew hätten ihn nicht aus politischer Überzeugung entmachten wollen. "Sie handelten nur aus Angst vor dem Verlust ihrer Privilegien." Ihm ist aber von Anfang an klar gewesen, dass der Putsch selbst bei dem Einsatz militärischer Gewalt scheitern musste, sagte Gorbatschow. Damals hatte Jelzin als Präsident der Teilrepublik Russland zum Widerstand gegen die Putschisten aufgerufen. Als Folge der Augustwirren wurde die Sowjetunion im Dezember 1991 aufgelöst.
Gorbatschow, der in Deutschland bis heute für seine Verdienste um die Wiedervereinigung hohe Achtung genießt, bekräftigte seine Unterstützung für den amtierenden russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Er übernahm ein Land im Chaos, ohne große Erfahrung als Politiker zu haben. Putin hat bereits viel erreicht", betonte Gorbatschow.
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