Sonntag, 19. August 2001

Wiener Traditionsbetrieb geht an italienische Firma

Der deutsche Wolfgang Mellinghoff, Eigentümer von Thonet Österreich, verkaufte völlig unbemerkt und geheim die traditionsreiche Sesselmanufaktur an das italienische Nobel-Möbelunternehmen Poltrona Frau.

Dies berichtet das Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. Erst Ende 1996 hatte Mellinghoff den maroden österreichischen Traditionsbetrieb um den symbolischen Schilling und einer vertraglich vereinbarten 120 Millionen Schilling Investition gekauft. Laut FORMAT vorliegenden Informationen soll Poltrona Frau 170 Millionen Schilling für Thonet gezahlt haben. Mellinghoff im FORMAT-Gespräch: "Nach einem Jahr Verhandlungen ist jetzt endlich alles unter Dach und Fach. Ich bin sehr erleichtert."

Wie FORMAT berichtet wird es keine Änderung am Standort Österreich geben. Produziert werden die beliebten Sessel weiterhin im steirischen Ort Friedberg, was vertraglich gesichert ist. Zudem soll, nach der Pleite von Thonet am Wiener Kohlmarkt, wieder ein Outlet in Wien eröffnet werden. Mellinghoff gegenüber FORMAT zum Deal mit Poltrona: "Ich verkaufte, da die geplante internationale Expansion zu teuer wäre." Insgesamt hätte man dabei eine halbe Milliarde Schilling investieren müssen. Laut FORMAT soll der neue italienische Eigentümer, Geschäftsführer wird der Italiener Romano Del Negro, den Möbelverkauf im Ausland ordentlich vorantreiben. Poltrona verfügt über ein weitverzweigtes Vertriebsnetz und hat unter anderem Showrooms in London, Paris, New York und Hongkong. Der italienische Betrieb - er setzte zuletzt eine knappe Milliarde Schilling um ? stellt unter anderem exquisite Möbel und Autositze für Ferrari, Lancia, BMW und Mercedes Benz her.

19.8.2001 21:43