Sonntag, 19. August 2001

"Wir sind alle Nichtschwimmer"

Rüdiger vorm Walde, Ferndinand Schmidt und Helmut Hainitz, die neuen ÖBB-Vorstände, über ihre Pläne, Preiserhöhungen bei der Bahn und Personalabbau im FORMAT-Interview.

FORMAT: Bei Ihrem Amtsantritt haben Sie die ÖBB-Führungskräfte mit „Leuten, die sich mit Schwimmflügerln im Nichtschwimmerbereich bewegen“ verglichen.
VORM WALDE: Das bezieht sich nicht nur auf die ÖBB, sondern auf die Bahn im allgemeinen. Die Monopolisten in Europa sind allesamt den Wettbewerb nicht gewöhnt. So gesehen sind wir alle Nichtschwimmer. Die Politik hat uns aber Wettbewerb verordnet, unser Markt wird dereguliert.Wir müssen also hinaus auf die hohe See.
FORMAT: Wann ist die Bahn hochseetauglich?
VORM WALDE: Jetzt analysieren wir einmal alles. Wir sind gegen Aktionismus; was wir tun, hat Hand und Fuß. Schließlich wir nicht einen Hundertmeterlauf sondern einen Marathon.

FORMAT: Sie kommen aus den Berliner Verkehrsbetrieben, die nach der Wiedervereinigung als „härtester Sanierungsfall der Welt“ gehandelt wurden. Was reizt Sie an der ÖBB, ist die auch ein Sanierungsfall?
VORM WALDE: Diese beiden Aufgaben kann man nicht miteinander vergleichen. Das Reizvolle für mich ist, dass ich hier in der Bundesliga spiele.
HAINITZ: Die ÖBB ist sicher kein Sanierungsfall. Aber die Rahmenbedingungen haben sich schon sehr geändert, darauf müssen wir jetzt reagieren.

FORMAT: Was wird der neue ÖBB-Vorstand anders machen als Ex-Boß Helmut Draxler?
VORM WALDE: Wir sitzen hier bewußt als Team. Früher wurde zwischen den Vorständen nur kommuniziert, was zu beschließen ist. Das wird jetzt anders, und wir werden es der ÖBB-Mannschaft schmackhaft machen, für die ist das ja völlig neu.

FORMAT: Woran werden Ihre Kunden merken, daß die Bahn neue Chefs hat?
SCHMIDT: Wir werden im Personenverkehr stärkere Akzente als bisher setzen müssen. Weil das ist der Bereich, über den die Bahn auf dem Markt, in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.
FORMAT: Wurde der Personenverkehr bisher vernachlässigt?
SCHMIDT: Ich will meine Vorgänger nicht beurteilen. Aber jeder kann sich selbst ein Bild über die Bahn und die Bahnhöfe machen. Da gibt es viel Verbesserungspotential.

Das komplette Interview lesen Sie im aktuellen FORMAT.

19.8.2001 16:08