Es ist verdammt hart, der Beste zu sein

Der Mann hinter Billa: Wie Veit Schalle den Konzern und Österreichs Handel regiert. Schalle-Interview: Der Billa-Boss erstmals über Geld, Politik und Billa-Zukunft. Dazu: Rewe-Chef Reischl über Veit Schalle.
Er drängt sich nie in den Vordergrund. Öffentliche Auftritte überläßt er lieber anderen. „Wer interessiert sichschon für mich, ich bin viel zu unwichtig“,ist der Stehsatz von Veit Schalle, 58, General des größten österreichischen Lebensmittelkonzerns, der BML-Gruppe mit Billa, Merkur, Mondo, Emma und Bipa. Nicht dass die Bescheidenheit des gebürtigen Kärntners als Attitüde zu verstehen wäre. Veit Schalle ist ein Mann, der vier Jahrzehnte lang nach der Philosophie seines Lehrherrn Karl Wlaschek lebte: emsig arbeiten, sparen und kein Sterbenswörtchen darüber verlieren. Heuer will er die Hundert-Milliarden-Umsatzgrenz anpeilen und gleichzeitig Strukturprobleme bei Billa lösen. Kleine Filialen werden zu modernen Nahversorgern umgerüster.
Veit Schalle im FORMAT-Interview
Die facettenreiche Persönlichkeit des extrem zurückhaltenden Billa-Bosses läßt viel Raum für Spekulationen: Wer wird sein Nachfolger, wenn Schalles Vertrag nächstes Jahr abläuft? Ist er der harte Manager im Nadelstreif oder eher ein bodenständiger Greißler mit Handschlagqualität? Einiges läßt der FPÖ-Anhänger im Interview durchblicken:
FORMAT: Herr Schalle, was ist für Sie Erfolg?
SCHALLE: Den BML-Konzern weiterzuentwickeln und unsere Marktanteile auszubauen.
FORMAT: Sie haben Sympathien für die FPÖ und Jörg Haider. Stört es Sie, dass Sie für diese Nähe oft kritisiert werden
SCHALLE: Ich halte es wie Bischof Krenn, der die eindimensionalen Berichte über ihn ebenfalls negiert.
FORMAT: Haben Sie einen Wunschkandidaten, der Ihrer Nachfolge würdig ist?
SCHALLE: Es gibt eine Menge fähige Mitarbeiter, aber derzeit ist noch keiner definitiv als BML-General vorgesehen.
FORMAT: Es halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass Sie sich an Libro beteiligen wollen.
SCHALLE: Libro gehörte einmal zu Billa und war eines unserer besten Unternehmen. Heute passt Libro nicht mehr zu uns, deshalb haben wir auch kein Interesse, Libro zu kaufen..
Hans Reischl: "Brauchen einen Nachfolger für Billa"
Hans Reisch, Chef der Billa-Mutter Rewe, über Jörg Haider, Billa-Österreich und seine Kontakte zu Berlusconi und Kirch:
FORMAT: Herr Reischl, nächsten Donnerstag verleiht Ihnen Jörg Haider das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Kärnten. Fürchten Sie nicht, nach Billa-General Veit Schalle jetzt auch selbst als Haider-Spezi zu gelten?
REISCHL: Damit habe ich als liberalerMensch absolut kein Problem. Der Kärntner Landeshauptmann wurde emokratisch gewählt, und es ist unfair, die Menschen nicht so zu akzeptieren, wie sie vom Volk gewählt wurden.
FORMAT:Wie sind Sie denn mit Ihrer österreichischen Tochter Billa zufrieden?
REISCHL: Es wird den Kunden von jeher auf den Mund geschaut, um deren Geschmack zu treffen. Deshalb ist Billa der Konkurrenz immer eine Nasenlänge voraus, wie etwa mit „ja! Natürlich“-Bioprodukten. Dem Gründer Karl Wlaschek ist es zu verdanken, daß bei Billa kostengünstig gewirtschaftet wurde.
FORMAT: Und welchen Anteil hat Rewe am Erfolg des BML-Konzerns?
REISCHL: Wir stellen die finanziellen Mittel zur Verfügung und leisten einen wesentlichen Beitrag, damit Billa preiswert einkaufen kann.
FORMAT: Sie selbst haben aber vor einem halben Jahr Hilfe des italienischen Staatschefs Silvio Berlusconi beansprucht, um die Mailänder Standa-Märkte zu erwerben.
REISCHL: Erstens war Berlusconi damals noch nicht Staatschef, zweitens nicht der Verkäufer von Standa, und drittens kam der Kontakt über Leo Kirch zustande, bei dessen Medienkonzern die Rewe Anteile hält. Ein völlig legitimes Vorgehen, wenn man seine wirtschaftlichen Verbindungen nutzt. Daraus muss man kein großes Geheimnis machen.
FORMAT: Das Mediengeschäft ist eine große Passion von Ihnen. Es heißt, daß Sie davon träumen, die Rewe zu verkaufen, um bei Kirch die Mehrheit zu übernehmen.
REISCHL: Träume darf man ja haben. Mit der Realität hat das jedoch nichts zu tun. Ob die Rewe sich im Mediengeschäft engagiert oder im Tourismusbereich ein weiteres Standbein schafft: Lebensmittel sind und bleiben das Kerngeschäft.
Mehr über den Billa-Konzern und die ungekürzten Interviews finden sie im neuen FORMAT ab Seite 46.
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