Samstag, 18. August 2001

Südseestaat Nauru trotzt OECD

Eine kleine Pazifik-Insel als sicherer Hafen für Schwarzgeld? Die winzige Pazifik-Insel Nauru will trotz drohender internationaler Sanktionen wegen Geldwäsche für die Russen-Mafia keine Steuern einheben. Das selbstständige Eiland mit rund 12.000 Einwohnern werde seine Souveränität nicht durch "egoistische Interessen" anderer beeinträchtigen lassen.

Staats- und Regierungschef Rene Harris machte bei einem regionalen Gipfeltreffen eines deutlich: Das Ultimatum der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht er als Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates.

Die OECD hat Nauru, den Philippinen und Russland ein Ultimatum bis zum 30. September gesetzt, um ihre Steuergesetzgebung zu verschärfen. Von Sanktionen bedroht sind auch Pazifik-Staaten wie die Cook- oder die Marshall-Inseln, deren erste Schritte zu strengeren Gesetzen die OECD bereits lobte.

Den Industriestaaten warf Naurus Staatschef Harris vor, sie wollten die kleinen Inseln ruinieren, statt ihnen zu helfen, von ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten zu profitieren. Auch die anderen Pazifik-Staaten sollten wie er dem Druck der OECD nicht nachgeben.

Nach Angaben der Moskauer Zentralbank hat die russische Mafia über Geldinstitute auf Nauru 70 Mrd. Dollar (76,6 Mrd. Euro/1.053 Mrd. S) gewaschen. Das nur 21,3 Quadratkilometer große Steuerparadies beherbergt etwa 400 als Briefkastenfirmen aufgezogene Offshore-Banken.

18.8.2001 20:37