Donnerstag, 16. August 2001

Staatssekretär: Behörde zu spät informiert

Auf den Bayer-Konzern rollt nach dem Rückruf seines Cholesterin-Senkers Lipobay/Baycol in den USA eine Klagewelle zu. Nur eine Woche nach dem Vermarktungsstopp sind nach Angaben von Anwaltskanzleien und nach Medieninformationen in mindestens vier US-Bundesstaaten Schadenersatzklagen gegen Bayer eingereicht worden.

Auch deutsche Rechtsanwälte arbeiten an einer Klage in den Vereinigten Staaten. Mögliche Forderungen in Millionen-Höhe brachten die Bayer-Aktie erneut an der Börse unter Druck. Das Papier rutschte am Donnerstag in Frankfurt zeitweise unter die Marke 32 Euro und war damit das Schlusslicht im deutschen Aktienindex DAX.

Bayer muss jetzt auch Kritik aus Regierungskreisen einstecken. Der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder, nannte das Verhalten des Konzerns "inakzeptabel". Das Bundesinstitut für Arzneimittel in Bonn sei erst verspätet über die gefährlichen Nebenwirkungen von Lipobay informiert worden.

Nach seinen Angaben war schon bei der Zulassung des Präparats im Jahr 1997 bekannt, dass es Nebenwirkungen hat. Bei der Abwägung von Nutzen und Risiken sei damals jedoch für die Zulassung entschieden worden.

Insgesamt wurden sechs Millionen herzinfarktgefährdete Patienten mit Lipobay/Baycol behandelt. Unter ihnen kam es zu 52 Todesfällen im zeitlichen Zusammenhang mit der Medikamenten-Einnahme.

Sammelklage in den USA>/b>
In den USA laufen bereits mehrere Klagen gegen das Unternehmen. So hat US-Anwalt Ed Fagan und sein Kollege Bruce N. Nagel eine globale Sammelklage im Zusammenhang mit dem Medikament bei einem Bundesgericht in Newark eingereicht. Dem könnten sich auch Deutsche und andere Ausländer anschließen, sagte Fagan.

Die Anwaltskanzlei Kenneth B. Moll & Associates Ltd. aus Chicago brachte eine Klage in einem Bezirksgericht in Illinois ein. Die New Yorker Anwaltsfirma Kaplan Fox & Kilsheimer LLP plant ebenfalls eine Klage. Auch in Oklahoma, Florida und New Jersey wird Schadenersatz angestrebt.

16.8.2001 16:06