Montag, 13. August 2001

Lipobay: Witti prüft für Klagen gegen Bayer

Bereits vor drei Jahren hat es offenbar einen ersten Todesfall in Zusammenhang mit der Einnahme des Bayer-Medikaments Lipobay/Baycol gegeben. Die meldete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Das Magazin beruft sich dabei auf den Leiter des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Harald Scheim. Deutschland gebe es inzwischen sechs Todesfälle, 31 in den USA und vier in Spanien.

Laut "Spiegel" starb 1998 in Deutschland ein Patient nach der Einnahme des Wirkstoffs Cerivastatin an Muskelzerfall und Nierenversagen. Ein Jahr zuvor sei das Medikament Lipobay eingeführt worden. Der Fall sei als Verdacht einer Arzneimittelnebenwirkung an das Bundesinstitut gemeldet und dort geprüft worden. Schweim halte einen Zusammenhang zwischen der Einnahme des Lipobay-Wirkstoffs und dem tödlichen Muskelzerfall für wahrscheinlich, heißt es in dem Bericht.

Wirklich starke Häufungen der Fälle seien aber erst im März oder April dieses Jahres aufgetreten. Unternommen habe das Bundesinstitut trotzdem nichts. "Wir waren nicht zuständig, die Initiative zu ergreifen", sagte Schweim. Der Wirkstoff sei nach einem europäischen Verfahren zugelassen worden.

Bayer drohen Schadensersatzklagen
Der mit seinem Einsatz für die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern bekannt gewordene Münchner Anwalt Michael Witti prüft mittlerweile Schadenersatzklagen von Patienten gegen den Bayer-Konzern. Er habe bereits ein Mandat von drei Patienten, die nach eigener Einschätzung unter den Nebenwirkungen des Cholesterinsenkers gelitten hätten, sagte Witti der Nachrichtenagentur AP.

Der Münchner Anwalt will bei dem angestrebten Verfahren mit amerikanischen Kollegen zusammenarbeiten und das Verfahren nach Möglichkeit vor einem amerikanischen Gericht führen, um von den dort möglichen höheren Schadenersatzzahlungen zu profitieren. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte den Tod von weltweit 40 Menschen, allein 31 davon in den USA, mit dem Cholesterinsenker in Verbindung gebracht.

"In Amerika wird bereits eine Sammelklage vorbereitet, und ich denke, wir werden dabei sein", sagte der Anwalt. "Unser Rechtsstab arbeitet bereits." Für übertriebene Erwartungen der Kläger sieht Witti aber keinen Grund: "Ich warne davor, dass alle glauben, das sei eine Angelegenheit, die kurzfristig zu Gunsten von Patienten gelöst wird." Es werde sehr schwer werden, die Kausalität nachzuweisen und damit die Forderungen zu begründen.

13.8.2001 10:34