Österreicher wollen Spitzenplätze erreichen

Der Schock von den Olympischen Spielen in Sydney saß im österreichischen Ruderlager tief, waren doch die regierenden Weltcupsieger, der schwere Doppelvierer und der leichte Vierer ohne, als Medaillenanwärter über die Ränge elf bzw. neun nicht hinaus gekommen.
Die ÖRV-Boote wurden daraufhin umstrukturiert, die nun bei den Weltmeisterschaften ab Sonntag (bis 26. August) auf dem Luzerner Rotsee ihre erste wirkliche Feuertaufe erleben.
Nur ein aussichtsreicher Starter
Österreichs Hoffnungen auf einen Spitzenplatz werden von einem einzigen Boot (insgesamt fünf sind am Start) getragen, dem Leichtgewichtsvierer ohne mit Martin Kobau (Villach), Wolfgang Sigl (Ottensheim), Bernd Wakolbinger (Wiking Linz) und Sebastian Sageder (Donau Linz). Vom Weltcupsieger des vergangenen Jahres fehlt also nur der Kremser Helfried Jurtschitsch, der seine Karriere beendet hat. Seinen Platz am Bug nahm zunächst Christoph Engl (der Linzer fährt als Ersatzmann mit) ein, dann Juliusz Madecki, der aber die Ausscheidung gegen Sageder verlor. Der Klosterneuburger wird nun gemeinsam mit dem bisherigen Sageder-Partner Uwe Daxböck (Lia Wien) im LG-Doppelzweier starten.
Erwartungen des Chef-Trainers
"Ich erwarte mir vom Vierer den Einzug ins Große Finale", legt ÖRV-Cheftrainer Martin Kessler seinem Quartett die Latte nicht ganz hoch. Immerhin fuhr das Boot beim Weltcupfinale in München schon auf Platz drei, von den zweitplatzierten Kanadiern nur um ein Hundertstel geschlagen. Mit Sageder sollte das Boot sogar schneller geworden sein, der Linzer integrierte sich in den Trainingslagern Völkermarkt und Ottensheim bestens in die Mannschaft, wie auch Schlagmann Martin Kobau befand. "Das Boot läuft sehr gut, man kann sagen, immer besser, die Motivation ist auch so gut wie noch nie", behauptete der Kärntner, der heilfroh ist, dass es heuer kein Höhentrainingslager gab.
Die an ihre stärkste Zeit erinnernden Dänen (Kessler: "Die sind brutal stark"), Olympiasieger Frankreich (wenn auch in München von Österreich geschlagen), Italien, Kanada, Spanien und die Niederlande sind die Mannschaften, die das ÖRV-Boot im Kampf um Medaillen beachten muss. Der LG-Vierer ohne war bei Weltmeisterschaften bisher über fünfte Plätze (1998 in Köln und 1999 in St. Catharines/CAN) nicht hinausgekommen, wobei allerdings auch immer das Rennpech mitfuhr.
Im Gegensatz zum schweren Doppelvierer, der in der Besetzung Norbert Lambing, Arnold Jonke, Horst Nußbaumer und Raphael Hartl mit Bronze in Köln 1998 für die 20. und bisher letzte WM-ÖRV-Medaille (Gold gab es zuletzt durch den LG-Doppelvierer Rantasa/Schmölzer/G. Faderbauer/Sigl 1995 in Tampere) gesorgt hatte. Ex-Weltmeister Jonke hat seine Karriere beendet, Nußbaumer ist wegen einer langwierigen Handgelenksverletzung außer Gefecht und der geplante Doppelzweier Lambing/Hartl kam wegen der rätselhaften Mattigheit des Schlagmannes nicht auf Touren und wurde bis auf weiteres zumindest ad acta gelegt.
Was ist nun von den anderen vier ÖRV-Booten bei der WM zu erwarten? Dem LG-Doppelzweier der Frauen mit Barbara Pirker/Martina Miessgang (RG Nautilus/Lochau) traut Kessler - wenn alles optimal läuft - eventuell auch das Große Finale zu, das Duo hat heuer im Weltcup schon mehrfach mit A-Final-Plätzen aufgezeigt. Was der neuformierte Männer-Doppelzweier mit Uwe Daxböck/Juliusz Madecki zu bieten hat, ist völlig offen, das Kleine Finale wäre wohl ein großer Erfolg. Dieses könnte auch der Frauen-LG-Doppelvierer mit Monika Felizeter (Lochau), Michaela Taupe (Nautilus), Caroline Sturm (Normannen) und Karola Schustereder (Gmunden) schaffen. Für den Salzburger Ralph Kreibich, der als Einziger bereits am Sonntag im Vorlauf-Einsatz ist, hängen im Schweren Männer-Einer die Trauben sehr hoch, realistisch ist wohl der Einzug ins C-Finale.
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