Samstag, 18. August 2001

Rivalität Kostunica/Djindjic verursacht Dauerkrise

Die friedliche Revolution im Herbst hatte die beiden Männer noch in einer Reformregierung zusammengeschweißt. Gemeinsam trieben sie den abgewählten Staatschef Slobodan Milosevic aus dem Amt, jetzt könnten sie bald selbst für den Sturz ihrer Koalition verantwortlich sein.

Der Machtkampf des jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunica (kl.B.) mit dem serbischen Regierungschef Zoran Djindjic (gr.B.) belastet schon seit Monaten die serbische Reformregierung.

Kostunica-Partei zog sich aus Regierung zurück
Über die Affäre um einen mysteriösen Mord, Korruptionsvorwürfe und die Bekämpfung des organisierten Verbrechens sind die beiden Kontrahenten am Freitagabend gestolpert. Kostunicas Demokratische Partei Serbiens (DSS) zog sich aus der Djindjic-Regierung zurück. Dabei ist eine Zukunft der beiden Rivalen ganz ohne gegenseitige Unterstützung nicht absehbar.

Die Rivalität zwischen dem mächtigen Ministerpräsidenten Djindjic und dem populären Staatschef Kostunica belastet seit Monaten die Regierungsarbeit des 18 Parteien umfassenden Reformbündnisses DOS. Für alle Welt zutage trat sie beim Streit über das Schicksal des ehemaligen Machthabers Milosevic. Mit der eiligen Auslieferung an das Haager Kriegsverbrechertribunal überrumpelte Djindjic seinen Rivalen Kostunica, der diesen Schritt immer ausgeschlossen hatte.

Keiner alleine stark genug
Nach Ansicht politischer Beobachter läuft die politische Zukunft der Serben immer klarer auf die Wahl zwischen Djindjic und Kostunica hinaus. "Ein langer Vorwahlkampf wird dazu führen, dass die beiden Kontrahenten getrennt zum Urnengang antreten", sagt der Politikexperte Srdjan Bogosavljevic. Er warnt aber, dass baldige Neuwahlen auch keine Veränderung bringen könnten: Weder Djindjic noch Kostunica seien in der Lage, bei der derzeitigen Kräfteverteilung im Parlament alleine die Regierung zu bilden.

18.8.2001 20:07