Wer früher geht, bekommt weiter halbes Gehalt

Wirtschaftskammerpräsident Leitl ist einer der Vorkämpfer für die Rente mit 65. Die Angestellten seiner eigenen Kammer will er aber schon mit 53 in Frühpension schicken.
Christoph Leitl und Wolfgang Schüssel sind selten einer Meinung. Wenn es aber um die Pensionen der Österreicher geht, dann eilt der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) dem ÖVP-Kanzler gerne zu Hilfe: Es müßte doch gelingen, das „generelle Pensionsalter – wie vom Bundeskanzler vorgeschlagen – auf 65 Jahre zu heben“, betont Leitl oft und gerne. Schließlich gehen die Österreicher, rein volkswirtschaftlich betrachtet, einfach zu früh in Pension. Unlängst forderte Leitl sogar, „über eine Bonusregelung
positive Anreize für das längere Arbeiten zu schaffen“. Und: „Das staatliche Türl“ zur Frühpension sollte doch endlich einmal geschlossen werden. Während Leitl in der Öffentlichkeit gern für eine Anhebung des Pensionsalters ficht, basteln seine Manager in der Wirtschaftskammer still und heimlich an einem brisanten Frühpensionsmodell, das das genaue Gegenteil verspricht: Ältere Angestellte der WKÖ können – nach den FORMAT vorliegenden Plänen – ihren Job in Zukunft freiwillig an den Nagel hängen und bekommen trotzdem die Hälfte ihres Gehalts weiter ausbezahlt. Das überraschende Kriterium: Sie müssen 53 Jahre alt sein.
Leitls Sparparket
Insgesamt zweihundert Kammerangestellte werden das unmoralische Angebot in den nächsten Monaten zugeschickt bekommen. Ziel der Kammer: zumindest hundert Zusagen. Hintergrund für die unkonventionelle Maßnahme: Kammerpräsident Leitl hat der Kammer einen eisernen Sparkurs auferlegt, um die versprochenen Beitragssenkungen für die WKÖ-Pflichtmitglieder finanzieren zu können. Zentraler Punkt von Leitls Sparpaket: die Gehälter. Bis Ende 2003 sollen deshalb von den insgesamt 1.250 Mitarbeitern rund 400 abgebaut werden. Gut die Hälfte davon wird ohnehin regulär in Pension gehen.
Die ganze Geschichte steht im neuen FORMAT.
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